Dies sind nur zwei Beispiele aus meiner aktuellen So-ist-Deutschland-Bestenliste, sie stammen nicht aus der RTL-Unterschichtenfreakshow, sondern aus dem Freundeskreis, die Kinder hießen anders, aber die Szenen haben sich so zugetragen. Und jetzt die Preisfrage: Werden Marvin, Ali und die anderen ab 1. Januar 2010, wenn das Kindergeld um 20 Euro erhöht wird, sich bessern - und vor allem: es besser haben?
Bevor der Leser Atem holt und ein leises Nein haucht, sollten wir einen Schritt zurückgehen. Der Staat nimmt wieder einmal Milliarden in die Hand und tut etwas für Familien. Das Kindergeld steigt auf 184 Euro, der Freibetrag auf 7008 Euro.
Familien sind Steuergewinner
Das ist lieb von der Regierung, es war nicht unbedingt notwendig, und schon gar nicht in dieser Höhe. Die staatliche Wohltat ist dennoch bemerkenswert, weil sie eine Duftmarke auf einem Weg setzt, den dieses Land seit einigen Jahren beschreitet: Die Familienpolitik hat eine Präsenz und Schlagkraft entwickelt, die all jene widerlegt, die gern meckern, dass sich im Lande nichts bewegt oder dass Bewegungen immer mit Einschnitten verbunden sind. Der Staat hat inzwischen ein Arsenal an Hilfen und Unterstützungen aufgebaut, das sich sehen lassen kann und das nun noch einmal ausgebaut wird.
Familien sind seit Jahren Gewinner, wenn es um Steuerreformen geht. Ein verheirateter Durchschnittsverdiener (2008: 27.811 Euro) mit zwei Kindern konnte in dem Jahr rund 90 Prozent seines Einkommens behalten. Allein das Kindergeld hat sich seit 1990 fürs erste Kind von 26 Euro auf nun 184 Euro erhöht. Das Familienministerium listet für 2007 insgesamt 156 Leistungsarten in Höhe von 183 Mrd. Euro auf, und selbst wenn da großzügig gezählt und gerechnet wurde: Niemand kann mehr behaupten, der Staat tue nichts für die Familien. Und sollten wir Deutschen in ferner Zukunft doch aussterben, sollte man für die Nachwelt festhalten, dass es zumindest nicht am Geld gelegen hat.
Merkwürdigerweise ist die Freude über das höhere Kindergeld dennoch verhalten, und das liegt nicht nur an der Opposition, die heimlich schäumt, dass Schwarz-Gelb keinen Sozialabbau betreibt. Auch nicht an der Ineffizienz unser Familienförderung, die die strenge OECD (bei der unser Land irgendwie nie gut wegkommt) gerade in einer Studie wieder bemängelt hat. Demnach geben wir vergleichsweise viel Geld aus und erreichen wenig, jedes sechste Kind in Deutschland lebt trotzdem in Armut.