FTD.de » Politik » Deutschland » Münchau - Die Tragik des Horst Köhler

Merken   Drucken   01.06.2010, 19:09 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Münchau - Die Tragik des Horst Köhler  

Der ehemalige Bundespräsident ist der Deutsche, der an der Welt scheiterte und sich dann beleidigt zurückzog. Köhler symbolisiert damit das Abdriften des Landes vom Internationalismus zur nationalen Nabelschau. von Wolfgang Münchau 
Als die Meldung vom Rücktritt von Horst Köhler als Bundespräsident die Runde machte, habe ich mal im Archiv nachgeschlagen. Vor sechs Jahren hatte ich an dieser Stelle von einem "Mann ohne Eigenschaften" geschrieben. Es ging um den damaligen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, der gerade dabei war, Bundespräsident zu werden. Der von dem österreichischen Schriftsteller Robert Musil geklaute Titel entsprach sicherlich nicht der Würde des Amtes. Aber damals war er noch nicht Bundespräsident, und heute ist er es nicht mehr, also will ich ihn weiterverwenden.
Für mich symbolisiert Köhler das Abdriften unseres Landes vom Weg eines betonten Internationalismus in eine deutschnationale Nabelschau. Das hat nichts mit Köhlers Werdegang zu tun. Seine Vergangenheit würde eher genau das Gegenteil implizieren, denn gerade er stand oft genau dort, wo sich Deutschland mit der Welt traf - als Sherpa des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, als Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, auch Osteuropa-Bank genannt, und schließlich als IWF-Chef.

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  • Aus der FTD vom 02.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 04.06.2010 22:47:10 Uhr   onzapintada: Köhlers Rücktrittsgründe / Rückschlüsse ...

    Herr Köhler war in einer Zwickmuehle, weil er die Ressourcenkriege in Afghanistan und anderswo als das bezeichnet hat, was sie sind. Wenn er danach, wie bspw. von den Grünen verlangt, abgeschworen, und wieder die Platte des Demokratie-nach-Afghanistan-Tragens aufgelegt hätte, hätte er sich vollkommen laecherlich gemacht.

    Wenn er andererseits bei seiner realistischen Lagebeschreibung geblieben wäre, hätte dies seiner elitaeren Klientel die Aufrechterhaltung ihrer Fassade sehr erschwert.

    Dass er das Ganze nicht aussitzen wollte, zeigt, dass er offenbar ziemlich - so ist anzunehmen - unter Druck gestanden haben muss, und es zeigt gleichzeitig, wie wichtig diese Ressourcenkriege und deren Vermarktung an der Heimatfront auch für die deutschen Eliten sind (und nicht nur für die der USA).

    Der Sturm gegen Frau Käßmann ist noch in guter Erinnerung. Sie und Koehler, obwohl in der Sache, um die es geht, genau entgegengesetzter Auffassung, haben sich desselben Vergehens schuldig gemacht: Sie haben die Dinge beim Namen genannt. Dem Volk reinen Wein einzuschenken, das hält man in großen Teilen der Funktionseliten und weiter oben nicht für opportun. Man wird im Praesidentenamt keinen Kritiker dieser Politik zulassen.

    Es wird einer der übrigen aus der neoliberalen Fraktion.

    Ein Treppenwitz wäre allerdings der Bankenretter Steinbrück gewesen. Der Verursacher der Misere müsste sie dann repräsentieren.

  • 02.06.2010 17:24:04 Uhr   Horst: Von der Leyen - MUTTI RELOADED
  • 02.06.2010 11:51:42 Uhr   Novaris: Die wahren Gründe des Rücktritt's ?
  • 02.06.2010 11:29:34 Uhr   Schranzer1: Die Tragik des Horst Köhler
  • 02.06.2010 11:09:50 Uhr   Aus liebe zur Europa: Die Welt braucht kein EU
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