FTD.de » Politik » Deutschland » Münchau - Zwei Augen sehen besser als vier

Merken   Drucken   06.10.2009, 19:26 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Münchau - Zwei Augen sehen besser als vier  

Die Konzentration der Finanzaufsicht bei der Bundesbank ist richtig. Langfristig braucht es aber eine gemeinsame europäische Lösung, um die Aufsichtsqualität zu verbessern. von Wolfgang Münchau 
Über den neuen Hausclown der Bundesbank ist alles gesagt worden. Viel interessanter und bedeutender für die Zukunft unseres Landes finde ich die Geschichte, dass sich die Bundesbank als Oberaufseher für alle Banken und Versicherungen empfiehlt.
Früher hatte ich in dieser Debatte weniger vorgefertigte Positionen als andere. Es gibt Länder, in denen die Zentralbank auch für die Banken- und Finanzaufsicht zuständig ist, wie etwa in Frankreich. Dann gibt es solche wie Großbritannien, wo diese Funktion von einer anderen Behörde wahrgenommen wird. In Deutschland teilen sich die Aufsicht bislang Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin.
Alle diese Systeme können funktionieren. Nur sollte man sich über eines im Klaren sein: Alle haben während der Krise versagt. Selbst wenn man all das, was Politik und Regulierer jetzt vorschlagen, schon vor zehn Jahren gemacht hätte, hätte man immer noch genau dieselbe Krise bekommen. Während des Booms wagten nur sehr wenige Experten, auf die Gefahren hinzuweisen. Dabei handelte es sich zumeist um einige exzentrische Ökonomen, die nicht im Mainstream angesiedelt waren. Notenbanker gehörten auf jeden Fall nicht zu dieser Gruppe.
Es wäre im Prinzip gut, wenn man jeden Vorschlag für Regulierung oder Änderungen von Aufsichtsstrukturen dem Krisentest unterzieht: Wäre es anders gekommen, wenn diese schon in Kraft wären? Bei den verschärften Regeln für Hedge-Fonds oder für Bonuszahlungen ist die Antwort klar: Mit den Ursachen der Krisen hat das nichts zu tun. Hier geht es nur um die Befriedigung von Rachegelüsten. Bei der Aufsichtsreform ist die Verlagerung der Verantwortlichkeit allein ebenfalls nicht die Lösung. Die Aufsicht muss an sich qualitativ besser werden.

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  • Aus der FTD vom 07.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 07.10.2009 10:18:16 Uhr   otti : Teile und herrsche ...

    bzw. spalte oder zersplittere ist ganz im Sinne eines "Weiter so" der Finanzmarktteilnehmer. Eine schlagkräftige europäische, oder gar internationale, Finanzmarktaufsicht wurde von der Politik wegen eigensüchtiger nationalstaatlicher Interessen jüngst beim G 20-Treffen bekanntlich nicht befürwortet.
    Nichts Grundlegendes wird sich ändern. Nach der Krise ist vor der - nächsten - Krise.

    Das Boni-Unwesen halte ich durchaus für einen bedeutsamen Aspekt und letztlich für einen Auslöser der Finanzkrise. Um des persönlichen Vorteils willen wurden Risiken eingegangen oder ausgeblendet, die nun von uns allen zu tragen sind.
    Eine solche Haltung hat mit verantwortlichem Handeln nichts zu tun.
    Die 'Freiheit' des Marktes hat zu unser aller Unfreiheit geführt.
    Als Geiseln wurden wir genommen.

    Greenspan: I made a mistake in presuming that the self-interest of organizations, specifically banks and others, where such is that they were best capable of protecting their own shareholders and their equity in the firms.
    Quelle:http://oversight.house.gov/documents/20081024163819.pdf
    Zeile 768ff
    Nicht um Eigeninteresse, und schon gar nicht um das der Firma, geht's, sondern um das Eigeninteresse, die Eigen- oder Selbstsucht der Manager!

    Das weiß aber auch der Jünger der Ayn Rand, von ihr "Undertaker" genannt.

  • 07.10.2009 10:06:42 Uhr   Strichnid: Bundesbank ist der Bock im Garten
  • 07.10.2009 00:55:39 Uhr   Lehman-Bruder: Was ist ein Derivat?
  • 07.10.2009 00:41:59 Uhr   fokus: Viel Worte, aber kein Sinn
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