FTD.de » Politik » Deutschland » Thomas Fricke - Denken wie Angela, Frank und Peer

Merken   Drucken   24.09.2009, 19:43 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke - Denken wie Angela, Frank und Peer  

Vor der Wahl hat fast jeder gebrabbelt, dass Schwarz-Rot die Finanzkrise doch ganz gut managt. Ein voreiliger Befund, der eher zeigt, wie sehr Große Koalitionen wohlgefällige Einheitsmeinungen fördern. von Thomas Fricke 
Noch wird darum gerungen, was aus der Jahrhundertkrise folgt. Noch ist offen, welche Langzeitschäden sie hinterlässt. Nur eines scheint schon festzustehen: Dass die Bundesregierung unter Leitung von Frau Merkel und Herrn Steinmeier das ganz prima gemanagt hat, mithilfe des heroischen Finanzministers. Jedenfalls haben wir das im Wahlkampf, der nun leider endet, täglich zu hören bekommen, von Beteiligten wie von vermeintlich unabhängigen Großdenkern. Künftige Geschichtsschreiber müssen das eigentlich nur noch abschreiben.
Absurd. Wenn überhaupt, ist es für ein solch großes Urteil viel zu früh. Zumal es in Widerspruch steht zu der langen Liste von großkoalitionären Pannen und verpuffenden Rettungsaktionen. Es kollidiert auch damit, dass die deutsche Wirtschaft erschreckend schwer von einer Krise getroffen ist, an der angeblich andere schuld sind, die glimpflicher davonkommen. Fragt sich eher, warum eine Große Koalition bei so einer Zwischenbilanz so gut wegkommt.
Richtig ist, dass die Abwrackprämie stark dazu beigetragen hat, dass es nicht schlimmer wurde; ebenso wie die Subventionierung von Kurzarbeit. Nur stellt sich die Frage, ob das reicht, um sich als tolle Manager einer Jahrhundertkrise auszuzeichnen. In der Euro-Zone sind nur Irland und Slowenien wirtschaftlich noch stärker abgestürzt als wir. Selbst die Immobiliencrashmodelle Spanien und Großbritannien kommen besser weg. Ganz zu schweigen von Frankreich oder den USA, wo die Wirtschaftsleistung nicht einmal halb so schnell fiel.
Krise? Welche Krise?
Seit vergangenem Jahr sind in Deutschland trotz jahrelanger Reformen und Topsanierung reihenweise Traditionsfirmen pleitegegangen, mussten mehr Banken als anderswo gerettet oder teilverstaatlicht werden und musste die große Regierung so enorm viel Geld mobilisieren, um den Schaden noch zu begrenzen. Das ist umso ernüchternder, als Deutschland nach regierungsamtlichem Verständnis gar keine Krisenviren in sich trug: In Deutschland gab es 2008 weder ein Staatsdefizit noch besonders verschuldete Unternehmen und erst recht keine ungezügelt prassenden Konsumenten. Im Gegenteil. Die Sparquote stieg seit Jahren.

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  • Aus der FTD vom 25.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 28.09.2009 15:55:59 Uhr   mistral: Trickle-Down und Wachstum

    Tja, die entscheidende Frage wird sein, ob es ausgerechnet einer schwarz-gelben Regierung gelingen kann relevantes Wachstum zu generieren. Angesichts der chronischen Angebotsorientiertung und den wirtschaftstheologischen Vorstellungen die in weiten Teilen der FDP und Union herrschen, wage ich das zu bezweifeln!
    Wenn ich schon höre, wie Merkel die konjunkturstimulierenden Wirkungen einer Steuersenkung (wir erinnern uns – die Laffer-Kurve, siehe Reaganomics, siehe Voodoo-Ökonomie) zu erklären dann dreht sich mir der Magen um.

  • 25.09.2009 05:32:28 Uhr   thomas franken: denken wie angela,frank und peer
  • 24.09.2009 21:16:47 Uhr   prinzadalbert: Denken wie Angela, Frank und Peer
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