FTD.de » Politik » Deutschland » Thomas Fricke - Frau Merkel beendet den Aufschwung

Merken   Drucken   12.11.2011, 09:31 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke - Frau Merkel beendet den Aufschwung

Die Kanzlerin prügelt unsere größten Handelspartner zu immer desaströseren Panikaktionen. Sie stürzt damit die deutsche Wirtschaft mittlerweile unnötig in akute Rezessionsgefahr. von Thomas Fricke 
Kein Zweifel. Die Kanzlerin gibt sich alle Mühe, die Euro-Zone zu retten - indem sie anderen immer neue Reform- und Sparpakete aufdrängt. Klingt prima. Scheint nur nicht richtig viel zu helfen. Und könnte sich am Ende auch als Bumerang erweisen.
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Bis dato gibt es wenig Hinweise, dass es Staatsfinanzen dauerhaft bessert, wenn man Regierungen zu kopflosem, politisch heiklem und ökonomisch desaströsem Paniksparen drängt - da hilft auch das gerade recht modische Auswechseln von Regierungschefs nichts. So einen Kurs hat Frau Merkel in der deutschen Rezession 2009 mit gutem Grund abgelehnt. Jetzt sollen das unsere wichtigsten Handelspartner machen. Könnte sein, dass die Bundeskanzlerin uns damit in die dümmste Rezession aller Zeiten stürzt.
Noch bis Juni schien uns die ganze Schuldenkrise konjunkturell egal sein zu können. Die Wirtschaft wuchs. Seitdem wackelten erst die Frühindikatoren. Und mit jeder neuen Krisenwoche mehren sich jetzt die Zeichen, dass die Konjunktur völlig kippt.
Das Gros der Experten nennt als Grund, dass seit Zuspitzung der Schuldenkrise im Juli in den Unternehmen erhöhte Unsicherheit grassiert - was es allerdings außerhalb Europas auch gab, ohne dass die Konjunktur dort ähnlich stark abstürzt. Der zweite Grund scheint gravierender: dass in Europa nun auch zwei der drei größten Euro-Länder rabiat Ausgaben kürzen und Steuern anheben.
Wohin das führt, erleben nach Griechen, Portugiesen und Iren seitdem die Italiener. Das Land hat in weniger als fünf Monaten sein mittlerweile drittes Konsolidierungspaket nachgelegt, obwohl das Strukturdefizit auch vorher schon sank. Und? Die Zinsen auf italienische Staatsanleihen sind jetzt auf Rekordhoch. Was nahelegt, dass es in einer verselbstständigten Marktpanik nicht mehr um Fundamentaldaten oder doofe Regierende geht.
Jetzt wird's ernst   Jetzt wird's ernst
Und dass allzu viel Hektik Unternehmern wie Verbrauchern die Planungssicherheit nimmt, Nachfrage fallen lässt und via Konjunktureinbruch und Steuerausfall die Defizite wieder erhöht, was hastigen Investoren irgendwann selbst auffällt.
Seit Ankündigung der neuen Kürzungen ist in Italien das Konsumklima abgestürzt, und die Prognosen wurden drastisch nach unten revidiert - womit auch die Defizite wieder steigen. Was dazu führt, dass Frau Merkel das nächste Sparpaket fordert.

Teil 2: Europa zieht sich selbst herunter

  • Aus der FTD vom 12.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 14.11.2011 16:31:34 Uhr   Wegweiser: Kontraindikator Fricke

    Herr Fricke ist ein sehr guter Kontraindikator. Man muss einfach nur das Gegenteil von dem denken und annehmen, was Herr Fricke sagt. Dann liegt man fast immer richtig, wie die Mehrzahl der Kolumnen des Herrn Fricke gezeigt haben.
    Nur deshalb lese ich die Beiträge von Herrn Fricke noch und bin beruhigt, wenn ich nicht mit ihm übereinstimme, denn dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
    Ich muss an dieser Stelle mal loswerden, dass ich die eine oder andere Kolumne, die er in letzter Zeit geschrieben hat, als haarsträubend empfinde.
    Diese hier ist wenigstens nicht seine schlechteste, was auch schon das beste ist, was ich dartüber sagen kann.

  • 14.11.2011 09:02:17 Uhr   Philosoph: Die Politik beendet den Aufschwung?
  • 13.11.2011 01:09:06 Uhr   financier: Punkt
  • 12.11.2011 22:44:28 Uhr   Hans: Die deutsche Wirtschaft produziert nicht für...
  • 12.11.2011 20:57:18 Uhr   KMU: Eine Zwangsanleihe
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