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Merken   Drucken   20.01.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke - Heimliche Liebe zum Euro

Bundeskanzlerin Merkel nervt seit zwei Jahren die halbe Welt, dass dieses oder jenes in der Krise nicht zu machen sei - weil sonst die skeptischen Deutschen die D-Mark zurückwollen. Und wenn diese These gar nicht stimmt? von Thomas Fricke 
Erst mussten die Griechen auf Hilfe warten, weil Frau Merkel vorher die NRW-Wahl überstehen wollte. Dann sollten Banken flugs mitzahlen, weil die Fraktion Angst vorm Wähler hat. Mal hieß es, Rettungsschirme dürften nicht aufgestockt werden, weil die Deutschen das nicht akzeptierten. Dann bibberte die Finanzwelt, weil wahlweise das Bundesverfassungsgericht in Volkes Namen die Euro-Rettung zu stoppen drohte oder die furchterregende FDP sämtliche und wirklich alle Mitglieder zum Euro befragt hatte, gleicher Anlass. Im Namen des Sie-wissen-schon.
Das Phänomen ist zum Standard des Euro-Krisenmanagements geworden. Sobald einer was will, kommt die Kanzlerin und weist bedauernd aufs eigene Volk hin. Das sei halt skeptisch und dürfe nicht verschreckt werden. Weil es sonst den ohnehin nicht geliebten Euro nicht mehr haben und die Mark zurückwill. Maximale Abschreckung.
Nun ist der Wähler natürlich die höchste Instanz. Keine Frage. Der Dauerverweis wirkt nur insofern auffällig, da der deutsche Wähler streng genommen zum Euro nie richtig befragt wurde. Was für Spekulationen auch viel Raum lässt. Könnte ja sein, dass das mit dem großen Misstrauen gar nicht stimmt - was neuere Studien sogar vermuten lassen. Dann hätte das ganze Krisenmanagement womöglich anders ausgesehen. Und die Märkte bräuchten nicht so sehr am Willen zur Euro-Rettung zu zweifeln, was die Krise verstärkt.
Schwindende Mark-Nostalgie
Mär vom euro-skeptischen Deutschen   Mär vom euro-skeptischen Deutschen
Klingt erst einmal abwegig. Wird nicht ständig von Umfragen berichtet, nach denen die Deutschen den Euro blöd finden oder zu 37 Prozent eine Euro-kritische Partei wählen würden? Ja. Bei näherem Hinsehen erweist sich diese Skepsis nur oft als, sagen wir, interpretationsfähig.
Den krassesten Fall dafür hat gerade der deutsche Wissenschaftler Daniel Gros vom Brüsseler Thinktank CEPS in aufgedeckt. Zusammen mit seinem Kollegen Felix Roth ging er der Frage nach, warum eigentlich die Meinungsforscher von Allensbach 2011 in großen Artikeln und bei der CDU über drastischen Euro-Vertrauensschwund berichteten - während ähnliche Umfragen der EU-Kommission ganz anders ausfallen.
Nach Allensbach-Auswertung gaben zuletzt mehr als 70 Prozent der Deutschen an, sie hätten wenig oder kein Vertrauen mehr in den Euro. Desaster. Eine Währung ist ja Vertrauenssache. Nur: Wie kann es dann sein, dass eine klare Mehrheit (per saldo fast 40 Prozent) selbst im Vollkrisennovember 2011 sagt, sie sei alles in allem "für den Euro", wie es die Eurobarometer-Umfrage ergab?

Teil 2: Keine D-Mark-Partei

  • Aus der FTD vom 20.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 21.01.2012 00:12:52 Uhr   Barbara: Ist die Eurokrise nicht einfach Mittel der De...

    in Europa - nach dem Beispiel der 'Wiedervereinigung'? Wenn die EU als Zusammenschluss gleicher unter gleichen handlungsunfähig bleibt, dann eben ein starker Zentralstaat um den sich die Peripherie schart. Als Träger dieser Entwicklung spannt man Banken und Industrie ein. Und wenn die nationale Politik nicht will, inszeniert man Minderheitenkonflikte wie in Ex-Jugoslawien.

    Vielleicht bleibt uns ja wirklich keine andere Möglichkeit!

  • 20.01.2012 20:19:30 Uhr   Dr. Bogdan: FTD-Umfragen zum Euro
  • 20.01.2012 16:59:17 Uhr   Berliner: Träumt Herr Fricke?
  • 20.01.2012 13:50:00 Uhr   Nemo: Liebe und Lawine
  • 20.01.2012 12:48:53 Uhr   Leberts: Heimliche Liebe zum Euro.
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  • Pläne zur Einlagensicherung: Für die Kanzlerin ein Angebot zur Güte

    Die Bundeskanzlerin lehnt Eurobonds kategorisch ab. Vielleicht könnte sie den Plänen zu einer europäischen Einlagensicherung eher zustimmen? Das Vertrauen in die Banken würde steigen. mehr

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