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Merken   Drucken   12.11.2009, 18:18 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke - Merkel kopiert Merkel  

Kritiker werfen der Kanzlerin vor, dass sie finanzpolitisch pokert. Das ist Quatsch: Wachstum gibt es ja nicht von der Versicherung. Das Problem ist eher, dass Merkels Topteam 2010 den Faden zu verlieren droht. von Thomas Fricke 
Wenn Angela Merkel auf Deutschlands große Professoren hören würde, wäre sie heute wahrscheinlich keine Kanzlerin mehr. Als Angela I. vor vier Jahren antrat, ignorierte sie zeternde Sachverständige, die wegen "prekärer Staatsfinanzen" sofortiges Konsolidieren einforderten. Stattdessen schob sie die Konjunktur an. Und? Schon im Jahr darauf gab es dank Wachstum halb so viel Staatsdefizit, am Ende sogar zwei Millionen weniger Arbeitslose. Ganz ohne große Kürzungsprogramme und neuerliche Reformdramen.
Das hat so eindrucksvoll gewirkt, dass Merkel nicht nur wiedergewählt wurde, sondern das Rezept 2010 gleich wieder versucht - gegen das erneute Zetern leicht lernschwach wirkender Sachverständiger. Die Frage ist nur, ob das wieder so gut klappt. Weniger, weil der Befund plötzlich falsch wäre, dass es ohne gute Konjunktur noch keiner Regierung gelang, Staatsfinanzen zu sanieren. Nach den ersten schwarz-gelben Koalitionswirren scheint die Gefahr eher darin zu liegen, dass die Strategie 2010 im realpolitischen Chaos implodiert - und es weder Aufschwung noch Defizitabbau gibt.

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  • Aus der FTD vom 13.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 16.11.2009 18:40:25 Uhr   fokus: mehr Nutto

    Merkel wird nicht den Faden verlieren. Sie wird den vorgegebenen Rahmen und die Forderungen buchstabengetreu exekutieren. Sie wird auch die Forderung nach der Kopfpauschale exekutieren. Damit erfüllt sie Forderungen der INSM (finanziert von Geamtmetall mit 40 Mio. Euro) und der 2009 neugegründeten INSM-Bayern (finanz. von vbw). Was kommt bei der Kopfpauschale heraus?

    Ein Vergleich zwischen Pauschalbetrag und Prozentbetrag bei
    unterschiedlichen Einkommen:
    Bei einem Einkommen von 1000€ sind 10% genau 100€, übrig bleiben
    900€.
    Bei einem Einkommen von 10000€ sind 10% genau 1000€, übrig bleiben
    9000€.

    Frage: Wer hat welche Belastung? Wer hat nachher mehr Geld zur
    Verfügung?

    Im Vergleich dazu, eine Pauschale für alle von 200€ (muss ja höher
    als 100€ sein, da die Summe aller Einzahlungen nicht kleiner werden
    darf. Sonst müssen die Leistungen aus Arbeitslosen-, Kranken-,
    Pflege- und Rentenversicherung noch weiter gekürzt werden (was sie
    auf jeden Fall werden. Das ist ja die Absicht, die dahintersteckt).

    Bei einem Einkommen von 1000€ bleiben 800€, das entspricht einer
    Abgabenlast von 20%.
    Bei einem Einkommen von 10000€ bleiben 9800€, das entspricht einer
    Abgabenlast von 2%.

    Frage: Es ist eine Erhöhung der Belastung geringer
    Einkommen zugunsten einer verringerten Belastung hoher Einkommen. Wer hat also mehr Nutto? Welche Belastung hatte das Einkommen von 1000 € vor der Kopfpauschale?

    Kopfpauschale und "alle zahlen das Gleiche" klingt ja soooo
    gerecht. Diese Botschaft wird schon jetzt medienkratisch exekutiert. Zum Beispiel mit der sogenannten "Medienkooperationen". Die jüngsten Fälle derartiger Vermischung von Redaktion und Propaganda: Ein ganzes Sonderheft der "Superillu" zur Bilanz nach 20 Jahren Mauerfall oder eine 32-Seiten-Beilage von "Focus" zur "Wohlstandsbilanz Bayern". das Beispiel wissenschaftliche Studie. So kommt das Wissenschaftszentrum Berlin in einer von der INSM bezahlten Studie mit dem Titel [http://www.insm.de/insm/Aktionen/INSM-Studien/Wie-fit-ist-der-Arbeitsmarkt.html ] Einstiegswege in den Arbeitsmarkt bei der Frage nach dem Anteil der Agenda 2010 beziehungsweise Hartz IV an den Entwicklungen am Arbeitsmarkt zu dem Ergebnis: "Letztlich ist eine definitive Beantwortung dieser Frage auf Grundlage der vorgestellten Ergebnisse nicht möglich." Zu den Ergebnissen gehört, dass sich die Arbeitsmarktchancen von Ostdeutschen und Älteren verbessert hätten, dass es aber bei den Langzeitarbeitlosen, deren "Aktivierung" erklärtes Ziel von Hartz IV war, zu keinen "spürbaren Verbesserungen" kam. Was immer auch in Studien drinsteht, die INSM hat kein Problem damit, anschließend gebetsmühlenartig zu erklären, es seien eben weitere "Reformanstrengungen" – natürlich im Sinne der Arbeitgeber – nötig. Frau Merkel muss sich nicht kopieren.

  • 14.11.2009 16:57:27 Uhr   Mistral: Einsamer Rufer
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