Teil 2: Hier beginnt die deutsche Tragödie
Der Kommentar von Prof. Bolz (S.30) wird durch die Kolumne von Prof. Fricke unmittelbar bestätigt. Wer versteht denn das gezerre um den Euro noch? Die Ökonomen eher nicht, weil auch die Nobelpreisträger im August eingestehen mussten, dass sie die Finanzmärkte nicht durchschauen können. Das beweist Fricke eindrucksvoll.
Wenn man sehen will, wohin die Herde in Panik rennt, darf man nicht in der Staubwolke am Rande stehen. Schon in der ersten Etage des Nachbarhauses hat man genug Überblick, die Herde und deren Richtung zu erkennen. Wer verschafft sich diesen Überblick und klärt die Leser auf? Gute Frage; Keine Antwort!
Es muss nicht auf cui bono verwiesen werden um zu erkennen, dass die Finanzmärkte ein Kräftemessen mit der Politik ausfechten. In diesem Kräftemessen hat verloren, wer zuerst zuckt. Ganz selbstverständlich bauen Finanzmärkte Druck auf die Politik auf, in der Hoffnung, dass dieser Druck für die Politiker unerträglich wird und diese einknicken. Immer mehr Politiker wollen den Finanzmärkten schon jetzt nachgeben. Nur die Eiserne Lady weigert sich (noch).
Was würde es denn bedeuten, wenn Deutschland der Forderung des polnischen Außenministers nachgeben würde? Der deutsche Anteil wäre 770 Mrd. Euro. Die deutsche Staatsschuldenquote stiege auf 105 Prozent. Aber das ist erst der Anfang. Glaubt denn jemand, dass die Märkte dann Ruhe geben würden? Warum sollten diese das tun?
Die Politik wird die Finanzmärkte daran gewöhnen müssen, dass die Staaten (Steuerzahler) nicht die Risiken der Märkte tragen können.
Heute steht der Euro im Mittelpunkt der medialen Auseinandersetzung. Nach dem Jahresabschluss wird abgerechnet, ob die Spekulationen aufgegangen sind. Viele Anleger werden dann Verluste beklagen. Wie werden sie sich verhalten? Werden sie weiter der Finanzmarktherde folgen? Was passiert, wenn sie das nicht mehr hinnehmen? Ein Bankenrun zerstört viele Markteilnehmer. In der folgenden Rezession werden ganze Staaten ins Chaos gestürzt. Diese produktive Zerstörung wird wohl unumgänglich sein, wenn der Kapitalismus sich reorganisieren will.
Schon in wenigen Wochen werden die Märkte ein neues Ziel finden, die USA. Wie sollen dort ausgeglichene Bundeshaushalte erreicht werden? Ganz zu schweigen von den Zinsen. Die wirtschaftliche und politische Führungsmacht steht zur Disposition. Im angelsächsischen Raum haben die Deutschen über 1100 Mrd. Euro angelegt. Auch 50 Prozent Schuldenschnitt verkraften die deutschen Banken nicht. Der Steuerzahler kann sie nicht retten, weil die Banken bei ihrer Rettung selbst keine Steuern zahlen. Die Folgen kann sich jeder selbst ausmalen. Aufklärung durch Medien braucht nicht erwartet werden, siehe Kommentar.