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Merken   Drucken   01.10.2009, 18:45 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke - Sozis aufs Sonnendeck  

Die SPD sollte aufhören, immer nur Entschlossenheit im Ersetzen ihrer Chefs zu zeigen. Besser wäre: Kollektiv ein halbes Jahr Auszeit nehmen und mit einem Top-Programm für die Zeit nach der Krise zurückkehren. von Thomas Fricke 
Es sage niemand, deutsche Sozialdemokraten hätten keine Qualitäten. Zumindest, wenn es darum geht, nach Niederlagen binnen Stunden neue Chefs zu benennen - damit bloß keiner denkt, die Partei schwächele. Macht je nach Wertung acht Parteichefs in zehn Jahren. Nur geholfen hat das bisher nichts. Im Gegenteil. Beim jüngsten Absturztempo der SPD würde der Stimmenanteil 2017 etwa die Nullmarke erreichen.
Vielleicht sollte sich die Partei einfach mal ein halbes Jahr auf so was wie die MS "Deutschland" zurückziehen, irgendwohin, wo man Oskar höchstens in der "Sesamstraße" sieht und auf der Agenda Pilates steht. Immerhin gab es selten so viel inhaltlichen Anlass und politische Gelegenheit, über neue Ideen für die Zeit nach der globalen Jahrhundertkrise nachzudenken und neue Programme zu entwickeln, jenseits bisheriger Klischees. Eine Riesenchance.

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  • Aus der FTD vom 02.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 01.10.2009 20:42:57 Uhr   Günther Mohr: Psychologie und merkwürdige Wahl

    Die Wirtschaftskrise hat bis Ende September 2009 kaum Auswirkungen auf breite Bevölkerungsschichten gezeigt, weil typische sozialdemokratische Positionen (Sparbuchgarantie, Kurzarbeitergeld, Konjunkturprogramme, Rentengarantie, Staatliches Geldgeschenk beim Autokauf genannt Abwrackprämie, Großfirmenrettung wie bei Opel) sie vor allem auf der psychologischen Ebene abgefedert haben. Der faktische Fall der Wirtschaftsleistung um sechs Prozent ist somit bisher für viele wenig spürbar. Dies scheint ökonomisch auf später vertagt zu sein.

    Allerdings war der Dank an die Sozialdemokraten sehr schlecht. Wie konnte es dazu kommen? Dies hat mit Macht zu tun. Menschen vertrauen sich nur Politikern mit kraftvollem Ausdruck an. Leadership soll für die meisten Menschen auch Orientierung und Schutz bedeuten. Menschen fühlen sich in ihrem tiefen Inneren in einer Krise der Welt gegenüber ziemlich hilflos. Starke männliche oder auch weibliche Führungspersonen bieten hier eine Kompensation an. Eine orientierende Vaterfigur oder eine präsente Mutterfigur helfen dann. Dem vertrauen sich Menschen gerne an.

    Beides hat die SPD nicht mehr verkörpert. Den Sozialdemokraten sind, seit Schröder nicht mehr der Frontmann ist, die Machtoptionen verlustig gegangen. Leider wurden dabei in einer Zeit, in der Frauen in der Gesellschaft wichtiger werden, auch jeweils die Frauen im Regen stehen lassen. Egal wie die einzelnen Personen einzuschätzen sind, es war so bei Heide Simonis, Andrea Ypsilanti und Ulla Schmidt. Auf die SPD-Führung als Unterstützung konnte keine von ihnen rechnen. Auch Andrea Nahles wurde in ihrem Versuch, Generalsekretärin zu werden, abgebügelt. Welchen psychologischen Tiefenmuster zeigt sich hier? Machogehabe, Frauenfeindlichkeit?

    Außerdem: Dass die SPD es inhaltlich geschafft hat, dass ihr allein die Hartz-Reformen und die Rente mit 67 als wesentliche Politikergebnisse zugerechnet wurden, obwohl diese politisch eher aus der liberalen Feder stammen und von einem Konsens von CDU bis Grünen stammen, bleibt ein zusätzliches Mysterium.

    Das folgerrichtige Ergebnis war: Die Frauen wählten CDU, die Männer FDP, die Jungen grün oder Piraten, die SPD-Wähler links oder blieben zu Hause auf dem Sofa sitzen.

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