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Merken   Drucken   19.11.2011, 09:02 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke - Wenn uns das Glück ausgeht

Der schnelle Wiederaufstieg aus der Rezession 2009 gibt der deutschen Wirtschaft das Gefühl von Unverletzbarkeit. Bei der nächsten Rezession aber kann sich die Exportfixiertheit rächen. von Thomas Fricke 
Noch hallt das Loblied auf den XL-Aufschwung nach. Noch ist von der deutschen Erfolgsformel die Rede. Oder von Firmen, die angstfrei in die Rezession gehen. Der tiefere Grund für so viel Zuversicht scheint klar. Was soll einer Wirtschaft passieren, die eine Jahrhundertkrise wie vor zwei Jahren so glimpflich überstanden hat und nun sogar neue Rekordtiefs bei der Arbeitslosigkeit meldet.
Ein Zeichen schierer Unverwundbarkeit? Vorsicht. Der schnelle deutsche Wiederaufstieg nach 2009 könnte in Wahrheit an einem ganzen Mix teils glücklicher Umstände gelegen haben - und die Frage ist, wie wahrscheinlich so ein Mix diesmal ist, wenn es erneut zum Absturz kommen sollte. Ein erster Annäherungsversuch - mit Alarmpotenzial.
XL kommt vor dem Fall
Natürlich steckt hinter dem hohen Wachstum der vergangenen beiden Jahre auch, dass deutsche Firmen stark waren und als Exporteure gut positioniert. Und dass es nach mancher Reform heute einfacher ist, Leute einzustellen, und sei es über Zeitarbeit. Und dass sich ein Aufschwung auch in Deutschland dieses Mal selbst verstärkt.
All das ändert sich nicht von heute auf morgen. Nur reicht beides nicht wirklich aus, um zu erklären, warum die letzte Jahrhundertkrise konjunkturell so glimpflich ausging.
Das hat aller Wahrscheinlichkeit nach mindestens ebenso daran gelegen, dass just in den beiden Jahren zuvor die Löhne ungewöhnlich stark hinter der Produktivität zurückgeblieben waren - was am nachwirkenden Hartz-Schock lag und den Unternehmen ein historisch einmaliges Polster gab. Glück. Ebenso wie die Tatsache, dass die Betriebe zuvor lange vor Einstellungen zurückgeschreckt und lieber Überstunden auf Arbeitszeitkonten gebucht hatten. Noch ein Polster, auf das die Wirtschaft im Krisenjahr 2009 stark zugreifen konnte, ohne entlassen zu müssen.
Selbst das hätte nicht gereicht, um bei fünf Prozent Einbruch der Wirtschaftsleistung neue Arbeitslosenschübe zu verhindern. Da subventionierte die Bundesregierung Kurzarbeit, die im April 2009 auf 1,4 Millionen Beschäftigte hochschnellte - und legte nach gefährlichem Zögern eines gewissen Peer Steinbrück ein Konjunkturpaket über zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach, zu dem die Abwrackprämie gehörte. Der amtlich generierte Autokauf ermöglichte angeschlagenen Konzernen, ihre Bänder trotz Exportkollaps laufen zu lassen.

Teil 2: Förderpotenzial bei klimaschonenden Produkten

  • FTD.de, 19.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 19.11.2011 17:05:45 Uhr   Hasan Eker: Export ist eine gefährliche Droge...

    Totale Exportorientierung führt dazu, dass die Binnennachfrage mit der Zeit nicht mehr relevant ist und bedeutungslos wird. Während einige wenige Branchen vom Export (noch) stark profitieren, gehen einige andere Branchen für immer verloren. Sobald die exportierten Produkte in gleicher Qualität, aber zu wesentlich niedrigeren Preisen im Ausland produziert werden (Beispiel China) wird der Export in Deutschland dann für immer zusammenbrechen. Da im Inland dann aber keine nennenswerte Binnennachfrage mehr existiert, werden alle Systeme (Sozialsystem, Rentensystem...) im Inland zusammenbrechen. Das bedeutet dann ANARCHIE.

  • 19.11.2011 10:56:46 Uhr   NSD: Löhne erhöhen - Binnennachfrage erhöhen
  • 19.11.2011 10:25:50 Uhr   Habs: Niedrige Zinsen und niedriger Eurokurs förde...
  • 19.11.2011 10:22:56 Uhr   Desch: Amerikaner
  • 18.11.2011 12:43:29 Uhr   Beate: Der nächste Aufschwung
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