Auf der anderen Seite des politischen Spektrums sieht es genauso aus, allerdings im größeren Stil. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ist ein großer Freund der Transparenz - jedenfalls solange es um Bürger und Wähler geht. Von denen möchte er gern per Vorratsdatenspeicherung wissen, wer sich wann wo mit wem fernmündlich unterhalten hat, was er so auf seinem Bankkonto treibt und, ganz handgreiflich am Flughafen, was er unter seiner Wäsche trägt.
So viel Einblicksmöglichkeiten würde man sich als Bürger auch vom Minister und den ihm unterstellten Geheimdiensten wünschen. Allerdings, wenn ich es mir so recht überlege, nicht um den Preis von Vorratsdatenspeicherung und Fluggastdatenübermittlung. Das will ich dann doch lieber für mich behalten. Oder?
Im Privatleben ist die Sache mit der Transparenz einfacher: Wenn mein Nachbar wissen will, was ich verdiene, sein eigenes Gehalt aber nicht verraten will, bin ich selbst schuld, wenn ich nicht schnell das Thema wechsle. Schwieriger wird's dann schon im Büro. Mein Chef weiß zwar, was ich verdiene, umgekehrt bin ich aber auf Mutmaßungen angewiesen (Soso, schon wieder eine neue Uhr, feines Gerät, das). Es gibt aber durchaus Dinge, bei denen dem Chef allzu neugierige Nachfragen per Gesetz untersagt sind: zum Gesundheitszustand etwa.