Die Konjunkturexperten von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) geben eine erste vorsichtige Entwarnung für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Zwar blieben die Risiken für die Konjunktur enorm, heißt es im jüngsten Bericht des Ministeriums zur wirtschaftlichen Lage. Gleichwohl dürfte "den aktuellen Konjunkturindikatoren zufolge die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte weiter recht stabil verlaufen", heißt es in einer Analyse aus Röslers Haus, die der FTD vorliegt und die am Dienstag vorgestellt wird.
Damit widerspricht die Bundesregierung jüngsten Befürchtungen, nach denen auch Deutschland im Sog der Euro-Krise im zweiten Halbjahr 2012 in eine Rezession rutschen könnte. Vergangene Woche hatte die Industrieländerorganisation OECD vor einer leichten Rezession in Deutschland gewarnt. Die OECD rechnet mit zwei Quartalen schrumpfender Wirtschaftsleistung in der zweiten Jahreshälfte. Viele Ökonomen - auch in den führenden deutschen Forschungsinstituten - glauben dagegen noch, dass Deutschland an einer Rezession vorbeischrammt. Mit großem Schwung bis zum Jahresende rechnet zugleich kaum jemand. Alle Experten heben hervor, dass die deutsche Konjunktur bei der kleinsten Eskalation der Euro-Krise einknicken könnte.
Auch die Konjunkturexperten des Wirtschaftsministeriums betonen, für eine generelle Entwarnung sei es zu früh. "Die Abwärtsrisiken für die Konjunktur überwiegen nach wie vor und bleiben beachtlich", schreiben sie. Nicht zuletzt die Euro-Krise und die Rezession in Südeuropa belasten die heimische Wirtschaft und insbesondere die Exporte.
Allerdings hätten sich mehrere Stimmungsindikatoren nach teils deutlichen Rückgängen zuletzt wieder leicht erholt. So legten die Ausfuhren insgesamt leicht zu, allein im Juli um 0,5 Prozent. Gründe für die gute Entwicklung seien "die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und ihr weiterhin gefragtes Produktsortiment". Sowohl die Industrieproduktion als auch das Baugewerbe legten nach einem schwachen Jahresauftakt demnach im Juli um 1,7 beziehungsweise 1,9 Prozent zu. Dabei liefen die Exporte in Länder außerhalb der Euro-Zone immer besser. Zugleich steige die Nachfrage nach Investitionsgütern im Inland. "Die Chancen, dass sich diese konjunkturellen Kernbereiche der Wirtschaft trotz des schwierigen Umfelds in der zweiten Jahreshälfte stabil entwickeln, sind damit gestiegen", resümieren Röslers Beamte.