Der US-Notenbankchef hat irgendetwas Zuversichtliches gesagt. Der EU-Kommissar für Wirtschaft auch. Bankenvorstände berichten von Gewinnen. Und bei Umfragen ist herausgekommen, dass Analysten weniger mies drauf sind als vor einem Monat. Manchem reicht das, um mal wieder Aktien zu kaufen.
Ist die Krise zu Ende? Dieser Eindruck könnte seit einigen Tagen entstehen. Nach Monaten täglich neuer Berichte über nie da gewesene Schicksalsschläge für die Wirtschaft häufen sich neuerdings die guten Nachrichten. Aber ist wirklich eine Besserung in Sicht? Oder lässt in Deutschland nur die mentale Bereitschaft nach, Horrormeldungen entgegenzunehmen?
Ein Beispiel vom Dienstag: Analysten gaben sich positiv überrascht, dass laut März-Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) nur noch eine kleine Mehrheit mit einer noch schlechteren Wirtschaftslage in den kommenden Monaten rechnet. Schlimm genug. Bizarr: Befragt werden vom ZEW - die Analysten. Erstaunlich, wie überrascht man manchmal über sich selber ist.
Erstaunlich viel ist unter Fachleuten gerade auch vom Baltic Dry Index die Rede. Dieser misst die Frachtraten von Containerschiffen, als Maßstab für das Warentreiben auf den Weltmeeren und ist seit Dezember ganz schön gestiegen - von 600 auf 2000. Klingt mächtig nach Boom. In Wirklichkeit war der Index aber noch im Sommer des vergangenen Jahres fast sechsmal so hoch. Und an seiner Zuverlässigkeit als Indikator für die Weltkonjunktur gibt es ohnehin erhebliche Zweifel.
Auch Fed-Chef Ben Bernanke sagte am Sonntag im Grunde nicht viel Optimistischeres als das, was die meisten Ökonomen seit Monaten herunterbeten: dass die US-Wirtschaft bis ins zweite Halbjahr in der Rezession bleiben könnte. Nur dass in der Zwischenzeit Zweifel aufgekommen sind, ob es nicht doch schlimmer kommt - was Bernankes Aussage plötzlich irgendwie optimistisch wirken lässt. Wobei auch Amerikas Notenbankchef gleich einschränkte, dass eine Erholung natürlich nur dann möglich sei, wenn sich das Finanzsystem bis dahin stabilisiert.
Gleiches gilt für Joaquín Almunia, der ebenfalls positives Denken übt. Die Zeichen für eine positive konjunkturelle Entwicklung seien jetzt "besser als vor drei Monaten", so der EU-Kommissar. Vorsichtiger geht's kaum. Es sei denn, man fragt den neuen Chef des deutschen Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, der es am Dienstag "für möglich" hielt, dass "die Abwärtsbewegung der Konjunktur im Sommer zum Stillstand kommt".
Man könnte auch sagen: Man weiß es gerade einfach nicht so genau.