FTD.de » Politik » Deutschland » Regierung reaktiviert Kurzarbeit
Merken   Drucken   05.12.2012, 21:12 Schriftgröße: AAA

Konjunktur: Regierung reaktiviert Kurzarbeit

Aufgeschreckt durch den Abschwung beugt sich der Bund Arbeitgebern und Gewerkschaften und verlängert das Kurzarbeitergeld – offiziell eine reine Vorsichtsmaßnahme, inoffiziell eine Niederlage für Philipp Rösler.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Wolfgang Kumm
Aufgeschreckt durch den Abschwung beugt sich der Bund Arbeitgebern und Gewerkschaften und verlängert das Kurzarbeitergeld – offiziell eine reine Vorsichtsmaßnahme, inoffiziell eine Niederlage für Philipp Rösler.

Aus Angst vor einer Rezession in den kommenden Monaten verlängert die Bundesregierung schon jetzt das Kurzarbeitergeld. 2013 solle die Unterstützung für Arbeitnehmer, die mangels Aufträgen nicht mehr voll arbeiten, zwölf statt nur sechs Monate gezahlt werden, teilten Arbeits- und Wirtschaftsministerium am Mittwoch überraschend mit.

Die Rahmendaten seien zwar "noch gut", sagte eine Sprecherin von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Die Regierung wolle aber Vorsorge treffen. Ein Sprecher von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte, man gebe damit "den Unternehmen ein weiteres Instrument an die Hand, um bei einer möglichen Verschlechterung der konjunkturellen Lage schnell reagieren zu können".

Mit ihrer Entscheidung beugen sich Union und FDP dem Druck von Arbeitgebern und Gewerkschaften, die schon seit Monaten eine Ausweitung des Kurzarbeitergelds fordern. Der Chef der mächtigen Industriegewerkschaft Metall, Berthold Huber, lobte die Entscheidung umgehend. "Das ist ein guter erster Schritt", sagte Huber. Allerdings sei die Wirtschaftslage heute nicht mit dem rasanten Absturz 2008 und 2009 zu vergleichen.

Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers  hatte die damalige Große Koalition aus Union und SPD das Kurzarbeitergeld gleich mehrfach verlängert und die Arbeitgeber zudem von Sozialabgaben entlastet, wenn sie ihre Mitarbeiter trotz fehlender Aufträge weiter beschäftigten. In diesem Fall erhalten die Kurzarbeiter von der Bundesagentur für Arbeit (BA) einen Teil ihres Verdienstausfalls ersetzt - Kinderlose erhalten 60, Eltern 67 Prozent des ausgefallenen Gehalts.

Für Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) könnte sich die Entscheidung der Regierung noch als Problem erweisen: Sollten nämlich tatsächlich viele Unternehmen in den kommenden Wochen die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter erneut drastisch reduzieren, müsste wohl der Bund für die Kosten einspringen und der BA mit milliardenschweren Zuschüssen oder Krediten aushelfen.

Wegen des niedrigen Beitrags von drei Prozent sind die Rücklagen der Versicherung aufgezehrt. In der Krise 2008/2009 hatte die BA Milliarden für das Kurzarbeitergeld ausgegeben. Allerdings blieben ihr so auch massive Mehrausgaben für das Arbeitslosengeld erspart.

Bislang hatten sich sowohl von der Leyen als auch Rösler den Forderungen widersetzt. Rösler etwa hatte argumentiert, er wolle keine weitere Unruhe in der Wirtschaft und keine Zweifel an der wirtschaftlichen Stabilität säen. In einem echten Krisenfall sei das Instrument so erprobt, dass es bei Bedarf binnen weniger Tage wieder aktiviert werden könne. Allerdings soll es auch jetzt sehr schnell gehen: Nachdem sich Rösler und von der Leyen nach FTD-Informationen Anfang der Woche geeinigt haben, soll von der Leyen die Verordnung schon in den nächsten Tagen unterschreiben und damit die Neuregelung in Kraft setzen.

18:14:10 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
  • Aus der FTD vom 06.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler