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  09.11.2009, 22:14    

Konjunktur: Ungesundes deutsches Geschäftsmodell

Leitartikel Die jüngsten Ausfuhrerfolge der deutschen Wirtschaft sind schön. Doch sie dürfen nicht dazu führen, weiterhin einseitig auf den Export zu setzen.
Deutschland ist wieder im Exportfieber. Das Ausland hat zuletzt ein Viertel mehr deutsche Waren bestellt als in schlimmsten Krisenzeiten. Das ist großartig. Es reicht aber nicht als Grund, die Wiedergeburt des zwischenzeitlich heftig kritisierten deutschen Geschäftsmodells zu feiern, wie es manche jetzt vorschnell tun. So gut es ist, dass der Export uns aus der Krise zieht: Die einseitige Fixierung auf Ausfuhren, die hierzulande verbreitet ist, taugt nicht als wirtschaftspolitisches Konzept für die Zukunft.
Das hat mehrere Gründe. Die jüngsten Zahlen bedeuten noch nicht, dass sich die Erfolgsgeschichte der Exportnation Deutschland fortschreiben lässt wie in den vergangenen Jahrzehnten. Dazu bedarf es einer dauerhaften Nachfragesteigerung aus dem Ausland, die sich aus den aktuellen Zahlen noch nicht ablesen lässt. Derzeit zeigt sich eher der Nachholbedarf infolge des Krisenschocks. Ob die Dynamik der globalen Boomjahre zurückkommt und die Amerikaner wieder so unbekümmert deutsche Autos kaufen, ist fraglich.
Und selbst wenn sie zurückkommt, droht das deutsche Geschäftsmodell über kurz oder lang zum Problem zu werden: Der dramatische Anstieg der deutschen Exportüberschüsse von 2001 bis 2008 hat stark zu jenen globalen Ungleichgewichten in Handel und Kapitalverkehr beigetragen, die zu den tieferen Ursachen der Weltwirtschaftskrise gehören. Kehrt man nun einfach zu diesen Ungleichgewichten zurück oder verstärkt sie noch, gefährdet dies die Stabilität des globalen Wirtschaftssystems. Eine neue Krise wäre nur eine Frage der Zeit.
Genau wie andere Staaten - etwa China oder die USA - derzeit versuchen, ihre Leistungsbilanzen ausgeglichener zu gestalten, muss auch Deutschland dafür sorgen, dass es nicht wieder zu derart zweifelhaften Überschüssen kommt. Dafür muss Deutschland keinen Exportabbau betreiben. Es würde reichen, stärker als in den vergangenen Jahren die Binnennachfrage auszubauen.
Ironischerweise hat dies gerade im Krisenjahr 2009 gut geklappt. Mit Instrumenten wie Abwrackprämie oder Kurzarbeitergeld hat die Politik den Konsum gestützt und so einen noch tieferen Wirtschaftseinbruch verhindert. Die Regierung müsste diese guten Ansätze eigentlich ausbauen - nur deutet nichts darauf hin, dass sie die Notwendigkeit dafür erkennt. Das Exportfieber könnte sich noch als deutsche Krankheit erweisen.
  • Aus der FTD vom 10.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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