FTD.de » Politik » Deutschland » Abschwung treibt Arbeitslosigkeit

Merken   Drucken   26.10.2008, 20:15 Schriftgröße: AAA

Konjunktureinbruch: Abschwung treibt Arbeitslosigkeit  

Der sich abzeichnende Konjunktureinbruch wird 2009 die Zahl der Arbeitslosen voraussichtlich kräftig nach oben treiben. Im Durchschnitt wird die Zahl bei einem Nullwachstum zwar nur um 30.000 auf 3,29 Millionen steigen, weil der Ausgangspunkt niedrig ist. von Maike Rademaker (Berlin)
Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ausgerechnet, das zur Bundesagentur für Arbeit (BA) gehört. Saisonbereinigt dürfte die Zahl im Laufe des Jahres aber weit stärker von derzeit 3,17 Millionen auf rund 3,4 Millionen steigen. Noch vor sechs Wochen klang die Prognose des IAB optimistischer. Und auch die neuen Berechnungen sind sehr vorsichtig: Während im Herbstgutachten der Forschungsinstitute das schlechteste Szenario ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent in 2009 ist, geht das IAB in seiner schlechtesten Variante von minus 0,5 Prozent aus.
Dann würde die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt auf rund 3,6 Millionen steigen. Der Westen würde von dem Anstieg besonders hart getroffen. Denn Ostdeutschland wird nach Angaben der Forscher in dreifacher Hinsicht entlastet: durch die demografische Alterung, die Abwanderung und den höheren Anteil erwerbstätiger Frauen. So wird das Arbeitsangebot - also die Erwerbsfähigen, die dem Arbeitsmarkt überhaupt zur Verfügung stehen - 2009 um insgesamt 130.000 sinken. Allein der Osten trägt zu diesem Rückgang aber mit 120.000 bei.
Im Jahresdurchschnitt sänke hier durch diese Faktoren die Arbeitslosenzahl um 7000 auf 1,115 Millionen, rechneten die Forscher für ein wirtschaftliches Minus von 0,5 Prozent aus. Wächst die Wirtschaft sogar um ein halbes Prozent, könnte die Arbeitslosenzahl hier um 36.000 sinken. "Kurzfristig wird der Arbeitsmarkt dort durch diese Faktoren entlastet", sagte IAB-Forscher Eugen Spitznagel.
Grund zur Freude ist das aber nicht. Nicht nur, weil die Arbeitslosigkeit auch dann noch mit 13,3 Prozent doppelt so hoch ist wie im Westen. Auch hier kaschiert der gute Durchschnitt, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf steigen dürfte. Langfristig könnte die ostdeutsche Sonderposition "zum Problem werden", sagte Spitznagel: "Denn die, die gehen, sind oft die produktivsten Arbeitnehmer."
Im Vergleich zu früheren Abschwungphasen sei die Verschlechterung insgesamt "moderat", heißt es im IAB-Bericht. So stieg die durchschnittliche Arbeitslosenzahl 2002 um 210.000 und 2003 um 320.000 an. Nach den Reformen auf dem Arbeitsmarkt und der moderaten Lohnpolitik sei der Markt in besserer Verfassung als damals.
Die BA wird am Donnerstag die Statistik für Oktober vorstellen. Bislang war zu hoffen, dass die Arbeitslosenzahl, die derzeit saisonal unbereinigt bei 3,08 Millionen liegt, unter drei Millionen sinkt. Das dürfte nun knapp werden. "Das Hauptproblem ist weniger, dass entlassen wird, sondern dass die Betriebe bei Einstellungen zögern", sagte Spitznagel. Bereits jetzt zeige ein Anstieg der Kurzarbeit, dass die Firmen abwarteten.
  • Aus der FTD vom 27.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Pläne zur Einlagensicherung: Für die Kanzlerin ein Angebot zur Güte

    Die Bundeskanzlerin lehnt Eurobonds kategorisch ab. Vielleicht könnte sie den Plänen zu einer europäischen Einlagensicherung eher zustimmen? Das Vertrauen in die Banken würde steigen. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote