Das hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ausgerechnet, das zur Bundesagentur für Arbeit (BA) gehört. Saisonbereinigt dürfte die Zahl im Laufe des Jahres aber weit stärker von derzeit 3,17 Millionen auf rund 3,4 Millionen steigen. Noch vor sechs Wochen klang die Prognose des IAB optimistischer. Und auch die neuen Berechnungen sind sehr vorsichtig: Während im Herbstgutachten der Forschungsinstitute das schlechteste Szenario ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,8 Prozent in 2009 ist, geht das IAB in seiner schlechtesten Variante von minus 0,5 Prozent aus.
Dann würde die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt auf rund 3,6 Millionen steigen. Der Westen würde von dem Anstieg besonders hart getroffen. Denn Ostdeutschland wird nach Angaben der Forscher in dreifacher Hinsicht entlastet: durch die demografische Alterung, die Abwanderung und den höheren Anteil erwerbstätiger Frauen. So wird das Arbeitsangebot - also die Erwerbsfähigen, die dem Arbeitsmarkt überhaupt zur Verfügung stehen - 2009 um insgesamt 130.000 sinken. Allein der Osten trägt zu diesem Rückgang aber mit 120.000 bei.
Im Jahresdurchschnitt sänke hier durch diese Faktoren die Arbeitslosenzahl um 7000 auf 1,115 Millionen, rechneten die Forscher für ein wirtschaftliches Minus von 0,5 Prozent aus. Wächst die Wirtschaft sogar um ein halbes Prozent, könnte die Arbeitslosenzahl hier um 36.000 sinken. "Kurzfristig wird der Arbeitsmarkt dort durch diese Faktoren entlastet", sagte IAB-Forscher Eugen Spitznagel.
Grund zur Freude ist das aber nicht. Nicht nur, weil die Arbeitslosigkeit auch dann noch mit 13,3 Prozent doppelt so hoch ist wie im Westen. Auch hier kaschiert der gute Durchschnitt, dass die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf steigen dürfte. Langfristig könnte die ostdeutsche Sonderposition "zum Problem werden", sagte Spitznagel: "Denn die, die gehen, sind oft die produktivsten Arbeitnehmer."
Im Vergleich zu früheren Abschwungphasen sei die Verschlechterung insgesamt "moderat", heißt es im IAB-Bericht. So stieg die durchschnittliche Arbeitslosenzahl 2002 um 210.000 und 2003 um 320.000 an. Nach den Reformen auf dem Arbeitsmarkt und der moderaten Lohnpolitik sei der Markt in besserer Verfassung als damals.
Die BA wird am Donnerstag die Statistik für Oktober vorstellen. Bislang war zu hoffen, dass die Arbeitslosenzahl, die derzeit saisonal unbereinigt bei 3,08 Millionen liegt, unter drei Millionen sinkt. Das dürfte nun knapp werden. "Das Hauptproblem ist weniger, dass entlassen wird, sondern dass die Betriebe bei Einstellungen zögern", sagte Spitznagel. Bereits jetzt zeige ein Anstieg der Kurzarbeit, dass die Firmen abwarteten.