Rechnet mit einem deutlichen Aufschwung: DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun
Auch der Rückgang der Firmenpleiten setzte sich zum Jahresende 2005 fort. Dagegen glaubt einer "Stern"-Umfrage zufolge nur eine Minderheit der Deutschen an einen Aufschwung - besonders junge Menschen bleiben pessimistisch.
Mit der Anhebung ihrer Wachstumsprognosen zogen die Verbände mit vielen Banken und Instituten gleich, die bereits wegen der guten Lage der Industrie und steigenden Inlands-Investitionen ihre Vorhersagen nach oben korrigiert hatten. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, sagte am Rande des Neujahrsempfangs des Bundespräsidenten: "Meine Prognose ist, dass wir 1,5 Prozent Wachstum übertreffen und mit ein wenig Glück auf 1,7 bis 1,8 Prozent kommen." Als Grund für die Aufhellung des Konjunkturhimmels nannte er auch das 25-Mrd.-Euro-Investitions-Programm der Regierung und bessere Abschreibungsregeln für investierende Unternehmen.
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, sagte, die deutsche Wirtschaft profitiere von der internationalen Konjunktur. Nach Einschätzung von Experten wird sich das auch in den ersten Zahlen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2005 widerspiegeln, die am Donnerstag veröffentlicht werden. Während das Wachstum im vergangenen Jahr wohl vor allem vom Export getragen wurde, scheint mittlerweile auch die Binnennachfrage etwas anzuziehen.
Skepsis bei der Jugend
Skeptisch zeigen sich allerdings noch die Bürger, deren Laune seit Jahren von der hohen Arbeitslosigkeit gedrückt wird. Nur 44 Prozent der im Auftrag des "Stern" Befragten sagten, sie rechneten mit einem Aufschwung in diesem Jahr. 54 Prozent erwarten nicht, dass es 2006 mit der Wirtschaft aufwärts geht. Besonders pessimistisch seien Menschen bis Mitte 40. In der Mehrheit optimistisch seien nur die Älteren über 60 Jahre, von denen 59 Prozent von einem Aufschwung überzeugt seien.
Kritische Zwischentöne kamen auch aus dem Mittelstand. So sagte der Präsident des Bundesverbandes der Mittelständischen Wirtschaft, Mario Ohoven, dem Deutschlandradio Kultur, zwar sei anerkennenswert, was die große Koalition für den Mittelstand tun wolle. Das Konjunkturprogramm werde aber nur Strohfeuer auslösen. Zudem würde die Wirkung auf die Binnennachfrage wegen der für 2007 angekündigten Mehrwertsteuererhöhung verpuffen.
Rege Kreditnachfrage
Einstweilen scheinen die Firmen jedoch Investitionen zu tätigen. "Vor allem auch in den mittelständischen Unternehmen hat sich die Investitionsneigung inzwischen spürbar verbessert", teilte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband mit. Die Kassen hätten in den ersten neun Monaten 2005 neue Darlehenszusagen für mittel- und längerfristige Finanzierungen im Volumen von gut 28,5 Mrd. Euro gegeben. Dies sei ein Anstieg von 10,8 Prozent zum Vorjahr. Im dritten Quartal habe die Zuwachsrate bei den neu zugesagten Krediten sogar bei gut 21 Prozent gelegen.
Auf der anderen Seite kommen weniger Firmen in Existenznot. So hätten gut 2800 Unternehmen im Oktober Insolvenz angemeldet, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dies seien 8,1 Prozent weniger als im Oktober 2004. In den ersten zehn Monaten 2005 ging die Zahl der Pleiten um 5,3 Prozent auf rund 31.000 zurück. Angesichts der sinkenden Zahl von Firmenpleiten stufte der Kreditversicherer Coface Deutschland in seine höchste Bewertungsstufe "A1". Vor allem Exporteuren bescheinigte Coface ein sinkendes Insolvenz-Risiko. Dagegen belaste die schwache Binnenkonjunktur Firmen, die auf die heimische Nachfrage angewiesen sind.