"Die mangelnde Klarheit, die mangelnde Eindeutigkeit, der ausufernde Opportunismus bei den Volksparteien führen dazu, dass ihre Bindungskraft nachlässt", sagte FDP-Chef Westerwelle am Montag der FTD. Zuvor war bekannt geworden, dass die CDU zum Stichtag am 30. Juni auf 530.755 Mitglieder kam. Die SPD hatte zum selben Zeitpunkt 529.994 Mitglieder, also 761 weniger.
Nach Ansicht des Bonner Politikwissenschaftlers Gerd Langguth ist die Schrumpfung von SPD und CDU auch Folge des gemeinsamen Regierungsbündnisses. "Gerade in der großen Koalition scheint vielen das inhaltliche Profil der Parteien unterentwickelt und führt zu
Frust bei vielen Mitgliedern", sagt das frühere CDU-Vorstandsmitglied. Ähnlich sieht das Langguths Kollege Jürgen Falter: "Es ist ja nicht so, dass der Mitgliederverlust jetzt stoppen würde, nur weil die CDU die SPD auf dem Weg nach unten ausgestochen hat."
Obwohl der Titel "Mitgliederstärkste Partei Deutschlands" gut fürs Prestige ist, kann die aktuelle Entwicklung nicht darüber hinwegtäuschen, dass beide großen Parteien seit Jahren Mitglieder verlieren. Bei der SPD vollzieht sich die Abwärtsentwicklung allerdings weitaus schneller. Im vergangenen Jahr verlor die SPD rund 20.000 Mitglieder. Bei der CDU gab es einen Schwund von rund 15.000 Mitgliedern.
Schon seit Monaten hatten sich die Mitgliederzahlen der beiden großen Volksparteien immer mehr angenähert. Zum Stichtag 31. Mai war der Abstand der CDU zu den Sozialdemokraten auf nur noch 438 Mitglieder geschmolzen. Im Monat davor hatte er noch 495 Mitglieder betragen und Ende März 1625 Mitglieder.