Kopf des Tages:Ahlhaus, der junge unbekannte Kronprinz
Ob Datenspeicherung oder Onlinerazzia - Hamburgs Innensenator stilisiert sich gern als Hardliner. Als Nachfolger Ole von Beusts soll ausgerechnet er das schwarz-grüne Projekt vorantreiben. von Teresa Goebbels
Christoph Ahlhaus hat geschwiegen, die ganze Woche lang. Obwohl die Zeitungen seinen Namen schrieben. Obwohl das Gerücht vom Beust-Rücktritt mehr und mehr zur Gewissheit geronn. Obwohl sich in Sozialsenator Dietrich Wersich ein vermeintlicher Rivale in Stellung brachte. Ahlhaus wusste, dass die Beust-Nachfolge auf ihn zulaufen würde. Er brauchte daher nichts zu sagen. Er musste bloß auf den Sonntag warten.
Innensenator Christoph Ahlhaus wird als möglicher Nachfolger von Hamburgs Regierungschef von Beust gehandelt.
Am Sonntag, hat Ahlhaus sein Schweigen gebrochen - nachdem auch sein Vorgänger endlich geredet hatte. Nach neun Jahren im Amt wird Ole Von Beust als Hamburger Bürgermeister zurücktreten. Ahlhaus übernimmt. Er wolle von Beusts Arbeit mit Engagement und Herzblut fortsetzen, sagte der 40-Jährige. Viel mehr als diesen unverfänglichen Satz gestattete er sich nicht.
Ahlhaus weiß, dass er mit seinen Worten künftig vorsichtig sein muss. Immerhin übernimmt er nicht nur ein Amt, sondern ein Projekt: Schwarz-Grün, das einzige Bündnis dieser Art auf Länderebene. Mit dem umgänglichen, liberalen von Beust konnte die Ökopartei. Aber mit Ahlhaus?
Wenn der Jurist in den vergangenen Jahren auf sich aufmerksam machte, dann meist mit innenpolitischen Äußerungen, die für gestandene Grüne Provokationen waren. Der "Wertkonservative", wie er sich beschreibt, forderte härtere Strafen bei Angriffen auf Polizisten, länderübergreifende Datenspeicherung und Onlinedurchsuchungen.
Die Opposition bemängelt, dass Ahlhaus solch markigen Worten keine Taten folgen lasse. Und tatsächlich hat Ahlhaus erst jüngst wieder die These gestützt, dass sich hinter der Verbalfassade wohl gar nicht so strikte Auffassungen verbergen: In der Guantánamo-Debatte erklärte er sich als einziger Innenminister der Union bereit, einen ehemaligen Häftling in seinem Bundesland aufzunehmen.
In Hamburg lebt Ahlhaus seit 2001. Eine Annonce der Landes-CDU, die einen neuen Geschäftsführer suchte, brachte ihn an die Elbe. Zuvor hatte er in München und Berlin studiert - und sich das Studium als Mitarbeiter einer Bank finanziert. In Hamburg bewährte sich Ahlhaus 2004 als Wahlkampfleiter für von Beust. Dabei verließ er sich ganz auf die Strahlkraft des Kandidaten, auf den die Kampagne zugeschnitten war.
Privat schwankt Ahlhaus zwischen seiner süddeutschen Heimat und seinem norddeutschen Lebensmittelpunkt. Das äußert sich unter anderem darin, dass er in Heidelberg noch eine Wohnung unterhält - und damit im Frühjahr eine unschöne Affäre heraufbeschwor. Weil der Innensenator als "gefährdete Person" gilt, rüstete er nicht nur sein Hamburger, sondern auch sein Heidelberger Domizil mit Sicherheitstechnik aus. Die steuerfinanzierten Kosten für Türen, Schlösser und Überwachung lagen im siebenstelligen Bereich.
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