Alexander Graf Lambsdorff
Im seinem Revier, dem Straßburger Parlament, ist der Junior-Graf bereits selbst eine Nummer: stellvertretender Fraktionschef der europäischen Liberalen. Deren Wortführer, wenn es um die internationale Politik geht. Nun soll seine große Stunde schlagen. Lambsdorff kandidiert für die Nachfolge der zurückgetretenen Silvana Koch-Mehrin als Chef der FDP-Delegation - und damit auch um deren Sitz im Parteipräsidium. Möglicherweise beerbt er die bisherige Vizepräsidentin des EU-Parlaments auch in diesem Amt.
Vorausgesetzt, ihm kommt nicht Berlin dazwischen. Denn wenn in Parteizirkeln über einen möglichen Ersatz für den angeschlagenen Außenminister
Guido Westerwelle debattiert wird, fällt immer wieder der Name des Bonners. "Mich wundert, dass Lambsdorff als Nachfolgekandidat in deutschen Medien so selten auftaucht", wundert sich ein Insider. "Er bringt alles mit, um diesen Job auszufüllen."
Das Auswärtige Amt kennt Lambsdorff wie kaum ein anderer FDP-Politiker. Hier hat er sich nach dem Studium der Europäischen Geschichte zum Diplomaten ausbilden lassen. Hier hat er acht Jahre Karriere gemacht: im Planungsstab, in der Botschaft Washington, schließlich als Länderbeauftragter für Russland. Zwischendrin leitete er das Büro des ehemaligen Außenministers Klaus Kinkel. Dann übermannte ihn die Leidenschaft für die Politik: Nach der Europawahl 2004 brach er gen Straßburg auf, "um in Europa für liberale Politik zu kämpfen", wie er sagt.