Im Gegenteil, er geht Konflikten nur ungern aus dem Weg. Das zeigte sich 2010, als sich CSU und FDP im Streit über die Gesundheitsreform wechselseitig als "Gurkentruppe" und, O-Ton Bahr, "Wildsau" verunglimpften. Die Kanzlerin musste intervenieren, und alle Beteiligten standen dumm da. Auch im FDP-Machtkampf war es Bahr, der die Revolte der Jungen gegen die Alten anstachelte - etwa mit seiner Drohung, notfalls in einer Kampfkandidatur gegen Parteivize Rainer Brüderle anzutreten.
Man tritt Bahr kaum zu nah, wenn man ihm unterstellt, dass auch das Gesundheitsressort nicht die Endstation seiner Karriere sein soll. Denn im Ehrgeiz ähnelt er seinem politischen Ziehvater Jürgen Möllemann, der Bahr in den 90er-Jahren bei den Julis in Münster entdeckte. Anders als Rösler, der mit 45 aus der Politik aussteigen will, hat Bahr sich keine Frist gesetzt. Dafür hat er sich aber - anders als etwa Generalsekretär Christian Lindner - mit dem FDP-Vorsitz in Nordrhein-Westfalen eine wichtige Machtbasis gesichert. Fraktionsvorsitz, vielleicht sogar Parteichef - es gibt noch einige Ämter, die ihn reizen dürften.