FTD.de » Politik » Deutschland » Hans-Rudolf Merz - Ein Mann, viele Versprechen

Merken   Drucken   02.02.2010, 20:35 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Hans-Rudolf Merz - Ein Mann, viele Versprechen

Früher wollte Merz Schriftsteller werden - das misslang. Dafür glänzte er später als Unternehmensberater. Als amtierender Finanzminister der Schweiz legt er sich mit Berlin an. von Jürg Müller
Für seine eigentliche Arbeit erhält er gute Noten. Als Finanzminister der Schweiz hat Hans-Rudolf Merz  ein Sparpaket nach dem anderen durch das Parlament geboxt, die Staatskasse ist heute in beneidenswert gutem Zustand. Dafür macht der 67-Jährige bei Auftritten nicht immer die beste Figur. Schon mehrfach entpuppte er sich als Dampfplauderer.
Hans-Rudolf Merz, Finanzminister der Schweiz   Hans-Rudolf Merz, Finanzminister der Schweiz
Etwa als er 2008 im Parlament erklärte, die Welt werde sich am Schweizer Bankgeheimnis noch "die Zähne ausbeißen". Mittlerweile ist das Bankgeheimnis längst nicht mehr, was es einmal war.
Auch für die Rolle des Krisenmanagers taugt der sechssprachige Merz nur bedingt. Für den Schweizer Finanzplatz, der seit dem UBS-Steuerstreit mit den USA unter Dauerstress steht, konnte er keine nachhaltige Strategie aufzeigen. Sein Verhalten sei zu zögerlich, lautet die Kritik. Und auch im aktuellen Streit mit Deutschland über gestohlene Bankdaten überzeugt er nicht.
Nicht nur im Inland, auch international steigt die Anzahl seiner Kritiker. Zwar hat der Politiker der FDP. Die Liberalen mit zahlreichen Ländern neue Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, durchs Parlament ist aber noch keines. Mit Frankreich sind die Verhandlungen sogar ausgesetzt, mit Deutschland wird es nach der Bankdatenaffäre ebenfalls schwierig. Schon geht der Koalitionspartner SVP auf Distanz.
Erst seit 2003 verdient der Ökonom sein Geld in der Politik. Damals wurde er in den Bundesrat, die Regierung des Landes, gewählt. Bis dahin war er als Unternehmensberater und Aufsichtsrat mehrerer Schweizer Unternehmen tätig. So stieg er etwa als Sanierer bei der ins Trudeln geratenen Ausserrhoder Kantonalbank ein. Um noch größeren Schaden abzuwenden, verkaufte er die Lokalbank an die UBS. Das Gesellenstück machte ihn populär - und so wurde er als Quereinsteiger in den Ständerat, die zweite Kammer des Parlaments, gewählt.
Heute sind viele Schweizer seiner überdrüssig. Als er im vergangenen Jahr zusätzlich als Bundespräsident amtierte, fiel er durch Aktionismus auf: Auf dem Höhepunkt der Libyen-Affäre flog Merz nach Tripolis, um bei Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi persönlich die Freilassung zweier Schweizer Geiseln zu erwirken. Die nicht einmal mit seinen Regierungskollegen koordinierte Aktion endete im Fiasko, die Geiseln sind immer noch in Libyen.
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Fast wäre Merz gar nicht in der Politik und in der Wirtschaft gelandet. Viele Jahre hatte er Ambitionen, als Schriftsteller groß herauszukommen. Doch aus seinen Erzählungen sind im öffentlichen Gedächtnis vor allem Passagen haften geblieben, in denen es um einen "prallen, strotzenden Busen" geht. Sein persönlicher literarischer Geschmack steht weit darüber. Seit Jahren trägt er in seiner Mappe die Bibel und Goethes "Faust" mit sich.
  • Aus der FTD vom 03.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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