Anderen ist sie zu liberal. Käßmann rät den Katholiken zu mehr Ökumene. Und auch dazu, das Zölibat abzuschaffen und Frauen zum Priesteramt zuzulassen. Muslime empörte sie damit, sie könne sich die Weiternutzung von Kirchen als Moschee nicht vorstellen.
Wie andere Organisationen ächzt auch die EKD unter der Krise. Allein 2008 gab es 160.000 Austritte, 30.000 mehr als 2007. Steuerausfälle sind die Folge. Käßmann antwortet darauf mit neuen Formen der Ansprache. Am Reformationstag veranstaltet sie in Hannover einen TV-Gottesdienst mit der Popband Die Prinzen. Dabei ist sie selbst wahrscheinlich die erste "Popbischöfin" überhaupt.
Wenn die Gottesfrau tatsächlich zur EKD-Chefin aufsteigt, will sie den Geschlechtsfaktor möglichst klein halten. Zu ihrem ersten EKD-Amt war sie 1983 noch gezielt als "weibliche Theologin" eingeladen worden. Aber schon bei der Bischofswahl 1999 wehrte sie sich vehement gegen einen Titel: "Quotenfrau".
Kai Schöneberg, Angelika Dehmel