Wenige Tage nach seinem Amtsantritt ist FDP-Höhenflieger Philipp Rösler im Alltag deutscher Gesundheitspolitik gelandet. Die Impfaktion gegen die Schweinegrippe macht der Liberale zur Chefsache. Bloß: Zu sagen hat er nichts. von Monika Dunkel
Dass am Mittwoch, am Elften im Elften, der Karneval beginnt, wäre Philipp Rösler unter normalen Umständen schnuppe. Schließlich hat er, der als nüchtern beschriebene Norddeutsche, mit dem Fest des rheinischen Frohsinns noch nie was am Hut gehabt. Bloß: Im Karneval wird gebützt. Und wo gebützt - also geküsst - wird, da freuen sich nicht nur die Jecken, sondern auch die Viren. Gerade in diesem Herbst, dem Schweinegrippenherbst. Also schaut der neue deutsche Gesundheitsminister am Mittwoch mit bangem Blick nach Köln, Düsseldorf oder auch Mainz.
Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP)
Dass sich der niedersächsische Höhenflieger Philipp Rösler um die Niederungen deutscher Feierkultur kümmern muss, ist durchaus bezeichnend: Nach seiner Berufung wurde der 36-Jährige als "großes Versprechen der FDP", "Supertalent" und "Jungstar" beschrieben. Nun, zwei Wochen und ein paar Lehrstunden später, hat ihn längst den Alltag in Beschlag genommen.
Für seine großen gesundheitspolitischen Reformpläne ist er allseits geschurigelt worden. Jetzt muss er erst einmal klein anfangen - mit einem Impfgipfel zur Schweinegrippe, zu dem Rösler für am Mittwoch nach Berlin gebeten hat. "Ziel ist es, gemeinsam für den bestmöglichen Schutz der Bevölkerung zu sorgen", hat der Liberale in die Einladung an seine Länderkollegen geschrieben.
Die vorsichtige Formulierung ist nicht nur der Höflichkeit geschuldet. Denn auch wenn Rösler im Fernsehen als Gesicht für den chaotischen Start der Impfaktionen herhalten muss - zu sagen hat er wenig in der Angelegenheit. Gesundheitsfürsorge ist Sache der Länder. Und die geben zurzeit ein verheerendes Bild ab: In einigen Ländern impfen die Gesundheitsämter - in anderen nur spezielle Ärzte.
In einigen Ländern gibt es bereits keinen Impfstoff mehr - in anderen sind die Mittel zwar da, aber die Bürger nehmen das Angebot nicht an. Und Rösler? Hat die größte Immunisierung in der Geschichte der Bundesrepublik zwar pflichtschuldig zur Chefsache erklärt, kann aber kaum etwas ausrichten. Die Länder würden Berlin nicht einmal in Kenntnis setzen, ist zu hören. Die Grippehotline des Bundesgesundheitsministeriums läuft derweil heiß, wer durchkommen will, braucht viel Glück.
Mit dem Impfgipfel am Mittwoch will Rösler nun die Hoheit über das Verfahren erlangen. Dazu muss er allerdings nicht weniger als das Kunststück vollbringen, 16 Länderminister zu bändigen - und ganz nebenbei auch noch die Pharmaindustrie. Sein Ziel: Die Länder sollen am Ende uneitel und solidarisch untereinander die besten Beispiele für eine gelungene Impforganisation anerkennen und kopieren.
Rösler weiß, dass er dabei selbst unter dem Mikroskop der Öffentlichkeit liegt. Alle sind gespannt, ob der "Doc", wie einige den studierten Arzt nennen, Bundesgesundheitsminister "kann". Denn ob beim Impfen oder in der Gesundheitspolitik generell - hier prallen stets mächtige Gruppen und Meinungen aufeinander. Und eines ist Rösler eh klar: Das Impfmanagement ist bloß ein kleiner Vorgeschmack auf das, was ihn demnächst beim Kampf um die große Gesundheitsreform erwartet.
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