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10.11.2010, 20:03
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Kopf des Tages:
Susanne Baer - Prof. Dr. Ungewöhnlich
Mehr Vielfalt beim Bundesverfassungsgericht: Die neue Richterin Susanne Baer ist Feministin par excellence, lesbisch - und hat jede Menge Sinn für Selbstironie.
von Benno Stieber, Karlsruhe
Susanne Baer passt mit ihrem Lieblingsthema voll in die Zeit. "Frauen treffen an sich nicht klügere Entscheidungen als Männer." In Vorständen und Aufsichtsräten sei es jedoch von Vorteil, wenn die Gremien gemischt besetzt sind: Themen würden aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, Entscheidungen würden deshalb besser, sagte sie unlängst auf dem Deutschen Juristentag in Berlin.
Susanne Baer
Baer machte sich schon früh für Frauenrechte stark. Sie schrieb für die feministische Juristenzeitschrift "Streit". Der Titel ihrer Promotion (Note: summa cum laude) lautet: "Würde oder Gleichheit? Zur angemessenen grundrechtlichen Konzeption von Recht gegen Diskriminierung am Beispiel sexueller Belästigung am Arbeitsplatz in der Bundesrepublik Deutschland und den USA".
Nun, 15 Jahre später und viele Karrierestufen weiter, steigt die Juristin in die Beletage des höchsten deutschen Gerichts auf. Am Donnerstag soll die Berlinerin nach dem Vorschlag der Grünen zur Richterin am Bundesverfassungsgericht ernannt werden. Ab Januar dann soll sie Brun-Otto Bryde im Ersten Senat folgen.
Baer ist zwar nicht die erste Frau auf dem Karlsruher Richterstuhl, die sich für Frauenrechte einsetzt. Doch eine Juristin, die ihre politische Sozialisierung in der autonomen Frauenbewegung erfahren hat, gab es dort noch nie. Sie engagiert sich seit Jahren in Projekten gegen häusliche Gewalt. 1988 schrieb sie als eine ihrer ersten juristischen Veröffentlichungen einen Gesetzentwurf, der es Frauenverbänden ermöglichen sollte, gegen entwürdigende und pornografische Darstellungen von Frauen zu klagen. Als Beraterin der Bundesregierung leitete sie bis vor Kurzem das Genderkompetenzzentrum in Berlin.
Auch wenn das nach einem lupenreinen linken Lebenslauf klingt, ist Baer alles andere als ideologisch. Sie gilt als brillante Wissenschaftlerin, die mit einer Gastprofessur an der renommierten University of Michigan Ann Arbor auch internationale Erfahrung vorweisen kann. Ihre Studenten an der Berliner Humboldt-Universität loben die Professorin als auffallend uneitel. Auf politischen Podien ist die 46-Jährige ebenso zu Hause wie in Fachdiskussionen und kann komplexe Themen verständlich erklären.
Teil 2: "Feminismus gegen die Finanzkrise"
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FTD.de, 10.11.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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