Das seit Jahren laufende Ermittlungsverfahren gegen Formel-1-Impressario Bernie Ecclestone wegen des Verdachts der Bestechung bekommt neuen Schwung: Vergangene Woche hat der bereits verurteilte Ex-Bayern-LB-Vorstand Gerhard Gribkowsky erstmals vor der Münchner Staatsanwaltschaft als Zeuge zu Ecclestone ausgesagt, wie die FTD aus Justizkreisen erfuhr.
"Gribkowsky hat Ecclestone in der achtstündigen Vernehmung schwer belastet", sagte ein Insider. Die Münchner Staatsanwaltschaft lehnte jeden Kommentar ab. "Zu einzelnen Schritten oder Details in einem Ermittlungsverfahren geben wir keine Auskunft", so ein Sprecher.
Gribkowsky war im Juni nach einem über einem Jahr dauernden Strafprozess zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nachdem der Banker ein Geständnis abgelegt hatte, sah das Münchner Landgericht es als erwiesen an, dass er sich von Ecclestone bestechen ließ. Gribkowsky hatte zugegeben, dass ihm Ecclestone 2006 rund 44 Mio. Dollar dafür bezahlte, dass er den Verkauf der Formel-1-Anteile der Bayerischen Landesbank an den von Ecclestone favorisierten Investor CVC sicherstellte.
Dieses Geständnis aus Gribkowskys Strafprozess lässt sich Juristen zufolge jedoch nicht ohne weiteres in das Ermittlungsverfahren gegen Ecclestone einbringen, das ebenfalls seit Jahren läuft. Denn als Beschuldigter hatte Gribkowsky das Recht zu lügen - als Zeuge in einem Ermittlungsverfahren gegen einen anderen Beschuldigten ist er dagegen zur Wahrheit verpflichtet.
Derzeit könnte der Ex-Banker eigentlich noch die Zeugenaussage verweigern, solange über die Revision zu seinem Urteil noch nicht entschieden ist. Darauf verzichtete Gribkowsky aber. Seine Aussage gilt als Hauptbeweismittel gegen Ecclestone. Ecclestone selbst weist die Vorwürfe zurück und bezichtigt Gribkowsky der Lüge: "Ich habe niemandem bestochen", bekräftigte der 81-Jährige auch in den vergangenen Wochen immer wieder.
Nun erscheint fraglich, ob Ecclestone am Wochenende zum Formel-1-Rennen nach Hockenheim reist. Schließlich sei nicht auszuschließen, dass die Münchner Staatsanwälte ihn dort festnehmen lassen, heißt es in Justizkreisen. Hintergrund ist, dass die Ankläger durch die Zeugenaussage Gribkowskys neue Erkenntnisse gewonnen haben könnten. Der Formel-1-Boss wollte in Hockenheim eigentlich mit den Verantwortlichen über die Zukunft des deutschen Grand Prix sprechen.
Der Brite will vor allem die Möglichkeiten erörtern, ob Hockenheim nach der Insolvenz des Nürburgrings in der Lage wäre, jedes Jahr ein Formel-1-Rennen auszurichten. Ecclestone bekräftigte auch am Donnerstag, er werde nach Hockenheim kommen. "Ja, ich muss dahin, um mit den Leuten vor Ort zu sprechen. Ich werde am Samstag dort sein."