FTD.de » Politik » Deutschland » Freund bringt Wulff in die Bredouille

Merken   Drucken   10.01.2012, 21:31 Schriftgröße: AAA

Kreditaffäre: Freund bringt Wulff in die Bredouille

Der Bundespräsident und seine Freunde: Filmkaufmann David Groenewold soll bei der Finanzierung der Biografie geholfen haben. Wulff unterstützte dessen Geschäfte politisch. von Thomas Steinmann  und Lutz Meier  Berlin
Die Finanzierung eines weiteren Buchprojekts über den heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff weckt neue Zweifel an dessen Umgang mit Freunden aus der Wirtschaft. Nach FTD-Informationen zahlte der Filmfinanzierer David Groenewold dem Autor der 2006 erschienenen Biografie "Christian Wulff - Deutschland kommt voran" rund 10.000 Euro. Groenewold und Wulff sind seit dessen Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident enge Freunde. Politische Brisanz bekommt die Freundschaft dadurch, dass sich Wulff zur gleichen Zeit massiv für das Geschäftsmodell eingesetzt hatte, das damals auch sein Freund Groenewold vertrat. Der FTD teilte Wulffs Anwalt Gernot Lehr mit, sein Mandat habe von der Zahlung nichts gewusst. Dem ZDF gegenüber gab der Anwalt von Groenewold und Autor Karl Hugo Pruys an, dass das Geld nicht für das Buch, sondern für andere Aufträge geflossen sei.
Christian Wulff und David Groenewold   Christian Wulff und David Groenewold
Wieder einmal geht es um die Frage, ob Wulff private Freundschaft und den politischen Einsatz für Geschäftsinteressen einzelner miteinander vermengt hat. Die Unterstützung Groenewolds für Autor Pruys, einen früheren Sprecher der Bundes-CDU, erinnert an das verdeckte Sponsoring für ein anderes Buch über Wulff. Der umstrittene Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer, ebenfalls ein Freund des Staatsoberhaupts, hatte 2008 rund 42.000 Euro für Anzeigen bezahlt - angeblich ohne Wulffs Wissen. Damals ging es um Werbung für das Interviewbuch "Besser die Wahrheit", das für den Ministerpräsidenten eine wichtige Rolle im Wahlkampf 2008 spielte.
Widersprüchliche Angaben gibt es zu der Frage, wofür Groenewold Pruys das Geld überwiesen hat. Spiegel Online berichtete, Pruys habe am Montag auf Anfrage mitgeteilt, dass ihm Groenewold zusätzlich zu den Leistungen des Berliner Bebra-Verlags ein Autorenhonorar gezahlt habe. Er habe das Geld gerne angenommen, weil sich der Filmfinanzierer als Freund Wulffs bezeichnet habe. Die Finanzspritze habe das Buchprojekt vor dem Scheitern bewahrt. Nach FTD-Informationen war das Autorenhonorar des Verlags vierstellig - und damit geringer als die Summe, die Groenewold Pruys zukommen ließ. Später habe der 73-jährige Autor in einem Telefonat die Angaben korrigiert und sich auf Erinnerungslücken berufen, schrieb das Internetportal weiter. Groenewold habe zudem über einen Anwalt Pruys' erster Darstellung widersprochen. Demnach sei das Geld für Arbeit an Firmenbroschüren sowie für Rhetoriktraining geflossen. Ein im Bayerischen Rundfunk ausgestrahltes Interview mit dem Buchautor stützt freilich Pruys' erste Darstellung. Auf die Frage, ob Groenewold ein Autorenhonorar gezahlt hat, antwortete er: "Ja, er hat das unterstützt."
Groenewold hat sich damit gebrüstet, Wulff in die Filmwelt eingeführt zu haben. "Er taucht dann in eine andere Welt ein", ließ er sich 2010 vom "Focus" zitieren. Wulff trat auf Geschäftsveranstaltungen Groenewolds auf und ließ sich als dessen Trauzeuge in spe präsentieren. Zu der Zeit, als das Buch entstand, kämpfte Groenewold um sein Geschäftsmodell. Der Gesetzgeber wollte die umstrittenen Steuersparmodelle abschaffen, die Groenewold verkaufte. Wulff engagierte sich in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD und öffentlich dafür, dass die Fonds durch ein neues Fondsmodell ersetzt werden. Es entsprach dem Konzept, das auch Groenewold vertrat.

Halbe Transparenz
Versprochen Trotz seiner Ankündigung, "neue Maßstäbe" bei der Transparenz setzen zu wollen und "alles" ins Internet zu stellen, will Bundespräsident Christian Wulff keine weiteren Dokumente zur Kreditaffäre veröffentlichen.
Gehalten In seinem TV-Interview am Mittwoch hatte Wulff die Erwartung geweckt, die Antworten seines Anwalts auf alle Fragen von Journalisten zu publizieren. Tatsächlich veröffentlicht wurde eine sechsseitige Zusammenfassung, bei der es nun bleiben soll. Wulffs Anwalt begründete dies damit, dass die anwaltschaftliche Verschwiegenheitspflicht eine Veröffentlichung aller inzwischen mehr als 500 Fragen nicht zulasse.
  • Aus der FTD vom 11.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Massaker in Syrien: Russen, bewegt euch endlich

    Russland stand bisher fest an der Seite des Assad-Regimes. Ob mit Waffen oder mit politischer Rückendeckung, Syrien konnte auf die Russen zählen. Das sollte Moskau schleunigst ändern. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote