Wulff steht in der Affäre seit Tagen unter besonderem Druck, seit bekannt wurde, dass er vor Erscheinen des kritischen Artikels bei Diekmann angerufen hat. Dabei hatte er der Zeitung zufolge dem verantwortlichen Redakteur mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht, sollte ein Beitrag über seinen umstrittenen Kredit veröffentlicht werden. Wulff hat nach Medienberichten in dem Telefonat vor einem endgültigen Bruch mit dem Springer-Verlag gewarnt. In dem Interview am Mittwochabend entschuldigte er sich dafür und legte ein Bekenntnis zur Pressefreiheit ab.
Diekmann bat in einem Brief an Wulff um Veröffentlichung des Inhalts des Anrufs mit den Worten: "Wir möchten dies nicht ohne Ihre Zustimmung tun und bitten Sie deshalb im Sinne der von Ihnen angesprochenen Transparenz um Ihr Einverständnis zur Veröffentlichung." Mit Verwunderung habe "Bild" die Äußerungen Wulffs in ARD und ZDF zur Kenntnis genommen.
Wulff reagierte seinerseits nach mehreren Stunden mit einem Brief an Diekmann und kritisierte darin, dass der Spruch auf der Mailbox sinngemäß bekannt wurde: "Es erstaunt mich, dass Teile meiner Nachricht auf Ihrer Mailbox nach unserem klärenden Telefongespräch über andere Presseorgane den Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben. Es stellen sich grundsätzliche Fragen zur Vertraulichkeit von Telefonaten und Gesprächen. Hier haben die Medien ihre eigene Verantwortung wahrzunehmen."
Das Staatsoberhaupt bekräftigte seine Version. Ihm sei es darum gegangen, der "Bild"-Zeitung seine Sicht darzulegen, bevor sie über eine Veröffentlichung entscheide. "Es gab für mich keinen ersichtlichen Grund, warum die 'Bild'-Zeitung nicht noch einen Tag warten konnte, wo die erfragten Vorgänge schon Jahre, zum Teil Jahrzehnte zurückliegen." Diekmann habe seine Entschuldigung "dankenswerterweise angenommen. Damit war die Sache zwischen uns erledigt. Dabei sollte es aus meiner Sicht bleiben."