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Merken   Drucken   06.01.2012, 07:07 Schriftgröße: AAA

Kreditaffäre: Wulff und "Bild" im Veröffentlichungskrieg

Der Bundespräsident drohte dem Springer-Verlag. Die Frage ist nur: Um einen unliebsamen Artikel über den umstrittenen Privatkredit zu verhindern oder zu verschieben? Darüber streiten Staatsoberhaupt und "Bild"-Chefredakteur Diekmann.
© Bild: 2012 Getty Images/Getty Images
Der Bundespräsident drohte dem Springer-Verlag. Die Frage ist nur: Um einen unliebsamen Artikel über den umstrittenen Privatkredit zu verhindern oder zu verschieben? Darüber streiten Staatsoberhaupt und "Bild"-Chefredakteur Diekmann.
Die neuste Verteidigungsoffensive von Bundespräsident Christian Wulff  droht für ihn nach hinten loszugehen. "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann brachte das Staatsoberhaupt am Donnerstag abermals in Zugzwang. Hintergrund ist der Inhalt von Wulffs Drohanruf bei Diekmann, den der Präsident tags zuvor als "schweren Fehler" bezeichnet, aber zugleich mit Schutz seiner Familie zu rechtfertigen versucht hatte.
Wulff hatte in dem Interview bei ARD und ZDF gesagt, er habe mit dem Spruch auf die Mailbox einen kritischen Artikel über den umstrittenen Privatkredit für sein Haus nicht verhindern, sondern nur aufschieben wollen. Diekmann widersprach dieser Version und bat den Präsidenten am Donnerstagvormittag darum, den Inhalt des Anrufs veröffentlichen zu dürfen.
Kreditaffäre Gnadengesuch bei ARD und ZDF
Der Bundespräsident lehnte den Wunsch ab und erklärte, mit seiner Entschuldigung bei Diekmann, die der Journalist angenommen habe, sei für ihn die Sache erledigt. "Die in einer außergewöhnlich emotionalen Situation gesprochenen Worte waren ausschließlich für Sie und für sonst niemanden bestimmt", schrieb Wulff. Die "Bild"-Chefredaktion sah in der Reaktion des Präsidenten einen Verstoß gegen seine Ankündigung, für Transparenz zu sorgen.
Die Äußerungen von Christian Wulff in ARD und ZDF sind...

 

Die Äußerungen von Christian Wulff in ARD und ZDF sind...

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Wulff steht in der Affäre seit Tagen unter besonderem Druck, seit bekannt wurde, dass er vor Erscheinen des kritischen Artikels bei Diekmann angerufen hat. Dabei hatte er der Zeitung zufolge dem verantwortlichen Redakteur mit strafrechtlichen Konsequenzen gedroht, sollte ein Beitrag über seinen umstrittenen Kredit veröffentlicht werden. Wulff hat nach Medienberichten in dem Telefonat vor einem endgültigen Bruch mit dem Springer-Verlag gewarnt. In dem Interview am Mittwochabend entschuldigte er sich dafür und legte ein Bekenntnis zur Pressefreiheit ab.
Diekmann bat in einem Brief an Wulff um Veröffentlichung des Inhalts des Anrufs mit den Worten: "Wir möchten dies nicht ohne Ihre Zustimmung tun und bitten Sie deshalb im Sinne der von Ihnen angesprochenen Transparenz um Ihr Einverständnis zur Veröffentlichung." Mit Verwunderung habe "Bild" die Äußerungen Wulffs in ARD und ZDF zur Kenntnis genommen.
Wulff reagierte seinerseits nach mehreren Stunden mit einem Brief an Diekmann und kritisierte darin, dass der Spruch auf der Mailbox sinngemäß bekannt wurde: "Es erstaunt mich, dass Teile meiner Nachricht auf Ihrer Mailbox nach unserem klärenden Telefongespräch über andere Presseorgane den Weg in die Öffentlichkeit gefunden haben. Es stellen sich grundsätzliche Fragen zur Vertraulichkeit von Telefonaten und Gesprächen. Hier haben die Medien ihre eigene Verantwortung wahrzunehmen."
Das Staatsoberhaupt bekräftigte seine Version. Ihm sei es darum gegangen, der "Bild"-Zeitung seine Sicht darzulegen, bevor sie über eine Veröffentlichung entscheide. "Es gab für mich keinen ersichtlichen Grund, warum die 'Bild'-Zeitung nicht noch einen Tag warten konnte, wo die erfragten Vorgänge schon Jahre, zum Teil Jahrzehnte zurückliegen." Diekmann habe seine Entschuldigung "dankenswerterweise angenommen. Damit war die Sache zwischen uns erledigt. Dabei sollte es aus meiner Sicht bleiben."

Teil 2: "Ich habe nicht versucht, sie zu verhindern"

  • FTD.de, 06.01.2012
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