Der frühere Sprecher von Bundespräsident Christian Wulff ist wegen des Verdachts der Bestechlichkeit ins Visier der Justiz geraten. Die Staatsanwaltschaft Hannover durchsuchte am Donnerstag nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Privat- und Geschäftsräume von Olaf Glaeseker. Er gilt als enger Vertrauter und langjähriger Wegbegleiter Wulffs. Das Staatsoberhaupt hatte ihn kurz vor Weihnachten gefeuert, ohne dies zu begründen.
Die Fahnder verschafften sich auch Zugang zu Räumlichkeiten des Eventmanagers Manfred Schmidt, der zu Wulffs Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident enge Kontakte zur Staatskanzlei in Hannover und dem damaligen Regierungssprecher Glaeseker gehabt haben soll. Durchsuchungen fanden in Wunstorf, Berlin und der Schweiz statt. Laut dpa stellten Ermittler Computerdateien und Dokumente sicher. Das Bundespräsidialamt gab mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren keine Stellungnahme ab.
Den Beschuldigten wird nach Angaben der Justiz Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung vorgeworfen. Aufgrund von Medienberichten und Ermittlungen bestehe der Verdacht, dass Glaeseker zwischen 2007 und 2009 im Rahmen seiner damaligen Dienstgeschäfte die Finanzierung einer von Schmidt ausgerichteten Veranstaltungsreihe "Nord-Süd-Dialog" gefördert habe, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Als Gegenleistung soll Glaeseker mehrfach unentgeltlich Urlaube in Feriendomizilen Schmidts verbracht haben.
Der SPD-Fraktionschef im niedersächsischen Landtag, Stefan Schostok, sagte, damit seien alle jene Lügen gestraft, die die Angelegenheit hätten banalisieren wollen. Die Staatsanwaltschaft habe "dringenden Korruptionsverdacht im Umfeld der Edelparty für Christian Wulff 2009" bestätigt. Wulff müsse beunruhigt sein.
In den vergangenen Wochen waren bei den Strafverfolgern in Hannover im Zusammenhang mit Wulffs Kreditaffäre zahlreiche Anzeigen gegen das Staatsoberhaupt, aber auch gegen Glaeseker eingegangen.
Zur Überraschung der Öffentlichkeit hatte Wulff seinen langjährigen Vertrauten kurz vor Weihnachten entlassen. "Ich bedauere, dass ich mich von meinem Sprecher Olaf Glaeseker trennen musste und danke ihm an dieser Stelle für seinen großartigen Einsatz an meiner Seite. Ich habe ihm viel zu verdanken und wünsche ihm für weitere berufliche Herausforderungen alles erdenklich Gute." Glaeseker war seit 1999 Wulffs Sprecher und Berater. Er machte aus dem medienscheuen Oppositionspolitiker den beliebten Ministerpräsidenten. Einen Tag nach der Entlassung kam heraus, dass der "Stern" diverse Fragen an den Ex-Sprecher gerichtet hatte, die sich um den Nord-Süd-Dialog drehten.
Während es bei Wulff laut Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt und kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, hatte die Behörde bei Glaeseker zuletzt davon gesprochen, das weitere Vorgehen zu prüfen. Glaeseker soll ab 2008 mit seiner Frau im Ausland bei Eventmanager Schmidt Urlaub gemacht haben. Als Landesbediensteter hätte er damals teure Geschenke wie Gratisurlaube möglicherweise nicht annehmen dürfen.
Teil 2: Landesregierung stellt sich Fragen der Opposition