Mit Sarkasmus kommentiert Keitel das Vorpreschen von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), der unmittelbar nach dem Atomunglück in Japan die Debatte über die Sicherheit der deutschen AKW in Gang gebracht hatte. "Ich halte es für sportlich, wenn man nach 48 Stunden eine fertige Meinung hat", sagte Keitel. Der CDU-Mann müsse möglicherweise "im Industrieland Nordrhein-Westfalen bei Wahlen antreten, und er muss sagen, wie Strom bezahlbar bleibt".
Es ist nur ein paar Jahre her, da sollte Röttgen Hauptgeschäftsführer des BDI werden. Das klappte nicht. Stattdessen übernahm mit dem inzwischen zurückgetretenen Werner Schnappauf ein CSU-Mann den Posten. Aber Union und FDP galten stets als natürliche Bündnispartner der Industriebosse. Mit der Verlängerung der Atomlaufzeiten machte Schwarz-Gelb den Energiekonzernen ein milliardenschweres Geschenk. Nach der Verkündung des Moratoriums fühlen sie sich verraten.
Das Verhältnis scheint nachhaltig geschädigt. Genervt wenden sich die Wirtschaftsvertreter vom Politikbetrieb ab, dessen Verlässlichkeit nicht mehr gegeben ist, weil Schwarz-Gelb immer wieder neue Ansagen macht, eigene Pläne über den Haufen wirft und Reformen auf die lange Bank schiebt. "Dauernd brummt der Blackberry, dauernd wird nach endgültigen Antworten verlangt", beklagt sich Keitel. Die Beschleunigung sei enorm, ein Problem jage das andere.