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Merken   Drucken   06.05.2010, 22:03 Schriftgröße: AAA

Lange Kündigungsfristen: Schäuble verscheucht Anleger

Anleger reagieren mit Panikverkäufen auf einen Plan des Finanzministeriums, die Regeln für Immobilienfonds drastisch zu verschärfen. Schäubles Plan könnte einen Dominoeffekt auslösen.

Die Gesellschaften Kan Am und SEB  teilten am Donnerstag mit, wegen starker Abflüsse in dieser Woche ihre Fonds Kan Am Grundinvest und SEB Immoinvest zu schließen. Zusammen verwalten sie rund 10,5 Mrd. Euro. Zudem lässt der Anbieter Pramerica seinen TMW Weltfonds für weitere neun Monate geschlossen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) macht Anlegern das ...   Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) macht Anlegern das Leben schwer

Damit verschärft sich die Krise in der ohnehin schon angeschlagenen Branche. Neun Immobilienfonds, die zusammen rund 22 Prozent des Branchenvermögens von knapp 90 Mrd. Euro vereinen, sind bereits eingefroren.

Eigentlich richten sich die Fonds an sicherheitsorientierte Anleger und gelten als äußerst stabil. In den Tumulten der Finanzkrise trennten sich jedoch institutionelle Anleger massenhaft von Anteilen, gleich zwölf Fonds mussten im Oktober 2008 schließen. Der Anbieter Aberdeen schockierte im Februar mit einer Abwertung von 21,6 Prozent.

Als Reaktion auf diese Probleme hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im März eine Reform angekündigt, am Montag folgte ein erstes Diskussionspapier. Es sieht vor, dass Anleger künftig frühestens nach zwei Jahren ihre Anteile verkaufen können und eine Kündigungsfrist von bis zu 24 Monaten einhalten müssen. Zudem sollen die Fonds den Wert ihrer Immobilien im Anteilspreis nur noch zu 90 Prozent ausweisen. Der Abschlag soll verhindern, dass Anleger durch Abwertungen Einbußen erleiden.

Die geplante Stabilität verkehrt sich nun aber ins Gegenteil. Einige Branchenexperten halten es für möglich, dass schon bald weitere offene Immobilienfonds eingefroren werden. "Es besteht die Gefahr eines Dominoeffekts", sagte ein Branchenbeobachter.

  • Aus der FTD vom 07.05.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
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