Denn oft kommen die Lebensmittel nur in den Müll, weil sie abgelaufen sind. Und was macht ein Politiker, der dagegen etwas unternehmen will? Klar, eine Kampagne. Damit der Verbraucher endlich aufgeklärt wird.
Das zumindest ist der Plan von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Sie will die Deutschen dazu bringen, sorgsamer mit Nahrungsmitteln umzugehen. Motto: "Zu gut für die Tonne". Klingt gut. Die PR-Wirkung ist für Aigner allerdings höher als für das - hehre - Anliegen.
Eine Kampagne reicht nicht. Aigner unternimmt viel zu wenig - obwohl sie es könnte. Sie versucht es nicht einmal. Wie so oft.
Dass überhaupt so viele noch genießbare Lebensmittel weggeworfen werden, hat viele Gründe - eine Hauptursache sind politische Fehler: Subventionen der EU und der Bundesregierung etwa ermöglichen es Landwirten, ihre Produkte billigst auf den Markt zu werfen.
Dort findet ein weiterer Preisverfall statt durch den extremen Konkurrenzkampf der Lebensmitteldiscounter. So werden Obst, Fleisch, Brot oder Milch so billig, dass es niemandem wehtut, zu viel einzukaufen oder es zu schnell wegzuschmeißen.
Nun kann niemand von einer Agrarministerin erwarten, dass sie gleich den Lebensmittelmarkt umkrempelt. Aber ein bisschen Handfestes sollte sie zumindest versuchen - zum Beispiel die Subventionsmechanismen infrage stellen und Reformen anstoßen. Oder, noch einfacher, die Regelungen zum Mindesthaltbarkeitsdatum erneuern. Aber dann müsste sich Aigner ja auch mal mit jemandem anlegen - mit den Bauern, der Industrie oder dem Handel. Das scheut sie. Und deshalb macht sie etwas, was niemandem wehtut. Und wenig nützt.
Hat man wieder das eigene Volk zu Sündenböcken gemacht, mit solchen fadenscheinigen Argumenten. Wovon soll wieder abgelenkt werden? Etwa von den Hungerlöhnen? Sol das etwa heißen, werft keine eßbaren Lebensmittel mehr in den Müll, somit habt ihr wieder mehr Geld zur Verfügung.
Weiß man denn nicht mehr, in unserem Lande gibt es immer mehr Ältere, die werfen bestimmt keine noch eßbaren Lebensmittel weg. Aber Getreide anbauen für Benzin, das geht, andere auf der Welt hungern dafür.