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Merken   Drucken   27.07.2009, 20:03 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Gesundheit - Jammern, bis der Arzt kommt  

Die gestiegenen Honorare zeigen: Die Ärzte haben mit ihren Protesten zu Jahresanfang maßlos übertrieben. Jetzt wäre etwas Bescheidenheit angesagt.
Zur Grundqualifikation niedergelassener Ärzte gehört offenbar, nicht den geringsten Sinn für Peinlichkeiten zu haben. Anders sind die Äußerungen des obersten Kassenarztes Andreas Köhler kaum zu verstehen. Um stolze 4 Mrd. Euro sind die Arzthonorare in Deutschland innerhalb von nur zwei Jahren gestiegen, 1 Mrd. Euro mehr als ursprünglich zugesichert - und Köhler fällt dazu nur ein zu betonen, dass dies aber noch lange nicht reiche.
Dieses Verhalten - das einen großen Teil der Kassenärzte betrifft - ist mehr als peinlich, es ist schäbig. Mitten in der Wirtschaftskrise beharren die Funktionäre auf Maximalforderungen und bringen die Kassenärzte weiter gegen die Politik auf, statt endlich einmal zuzugeben, dass bereits viel erreicht wurde. Die Honorare in Ost und West wurden angeglichen. Das war lange überfällig war und geschah, ohne dass die Ärzte in den westlichen Bundesländern dafür nennenswert hätten zurückstecken müssen.
Ebenso verfehlt ist der Stil der Auseinandersetzung. Die Kassenärzte haben ihre Protestaktionen zu Jahresanfang auf dem Rücken ihrer Angestellten und Patienten ausgetragen: Praxisschließungen, Behandlungen nur gegen Bargeld, sogar Kurzarbeit für Arzthelferinnen - jedes Mittel war recht, um öffentlichkeitswirksam Druck aufzubauen. Zweistellige Umsatzeinbußen malten Ärztevertreter an die Wand; am härtesten sollte Süddeutschland getroffen werden.
CDU und CSU ergriff angesichts der wütenden Ärzte die Angst vor einer Wahlschlappe. Sie schrieben eine Reform der umstrittenen Honorarreform in ihr Programm. Nun stellt sich heraus, dass die Untergangspropheten unrecht hatten. Und dass die Protestaktionen maßlos übertrieben waren. So haben sich die Ärzte zwar 1 Mrd. Euro zusätzlich gesichert.
Doch für solche Partikularinteressen den Untergang eines ganzen Berufsstands an die Wand zu malen und Patienten vor die Tür zu setzen ist - nun, eben peinlich. Das sollten Patienten wie Politiker beim nächsten Ärzteprotest im Hinterkopf haben.
  • Aus der FTD vom 28.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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