Vermutlich sind sie im Gesundheitsministerium ganz froh, mal über etwas anderes zu reden als über gestohlene Dienstwagen. Da trifft es sich gut, dass das Ministerium auch für die Bekämpfung der Schweinegrippe zuständig ist. Und die ist ein ernstes Thema und kein "Theater im Sommerloch", wie Gesundheitsministerin Ulla Schmidt im fernen Spanien die Aufregung um ihre abhandengekommene Limousine bezeichnete.
Das deutsche Gesundheitssystem wäre jedoch nicht das deutsche Gesundheitssystem, wenn seine Akteure nicht imstande wären, aus einem ernsten Thema doch noch eine Posse zu machen. Nun sind es die Krankenkassen, die die Impfung gegen die Schweinegrippe nicht bezahlen wollen. Oder jedenfalls nicht ohne entsprechenden Kostenausgleich.
Diese Haltung mutet nicht nur absurd an, sie ist es auch. Die Schweinegrippe ist unbestreitbar eine Krankheit, Vorsorge und Behandlung liegen also klar im Aufgabengebiet der Krankenkassen. Dass diese Krankheit nun quasi zusätzlich anfällt, ohne auf die bisherigen Kostenkalkulationen für den Gesundheitsfonds Rücksicht zu nehmen, ist dabei unerheblich. Das Gesundheitsministerium hat daher recht, auf der Kostenübernahme durch die Kassen zu beharren. Ohnehin muss am Ende, wenn das Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht ausreicht, der Steuerzahler mit einem Darlehen einspringen.
Das Gezerre zeigt aber auch, wie unausgegoren die Pandemiepläne von Bund und Ländern im Detail noch sind. Unklar ist derzeit auch noch, wer die Risikogruppen benachrichtigt, die zuerst geimpft werden sollen - und wie Gesundheitsämter oder Krankenkassen herausfinden sollen, wer etwa chronisch krank ist und daher einen bevorzugten Anspruch hat.
Bleibt nur der Trost, dass die Pandemiepläne ihren ersten Praxistest an der bisher relativ harmlosen Schweinegrippe erleben. Bevor eine Krankheit mit höheren Sterblichkeitsraten das Land erreicht, sollten die Behörden dringend nachbessern.