"Die meisten Anstrengungen nach Pisa gehen in den Grundschul- und Vorschulbereich", sagt der Dortmunder Schulforscher Wilfried Bos. Doch auch wenn deutsche Erstklässler im Frühjahr 2006 bei der internationalen Grundschulstudie "Iglu" etwas besser abschnitten als die 15-Jährigen bei der Pisa-Studie 2001, bleibt viel zu tun.
Im Lesevergleich erreichten die ABC-Schützen bei der Studie nur deshalb einen elften Platz, weil Pisa-Topstaaten wie Finnland, Korea, Japan, Australien und Belgien nicht teilnahmen. Zudem hatten die getesteten Schüler einen Altersvorteil, weil Deutschland seine Kinder im internationalen Vergleich deutlich später einschult. Die Niederlande und Schweden, die sowohl bei Iglu und Pisa vorne lagen, schicken ihre Kinder früher in die Schule, erteilen mehr Unterricht im Jahr und geben mehr Geld pro Schüler aus. Deutschland investiert hingegen bislang weniger in Grundschulen als der Durchschnitt der Industriestaaten. Die deutschen Grundschüler haben 20 Prozent weniger Unterrichtszeit als Gleichaltrige in anderen reichen Ländern.
Doch auch auch an den Grundschulen sind Veränderungen auf dem Weg – etwa in Thüringen, wo laut neuerer Statistiken derzeit die besten Bedingungen für Grundschüler herrschen. Die Ausgaben für Bildung sind hier hoch, die durchschnittliche Klassengröße sowie die Zahl der Sitzenbleiber niedrig, das Förderangebot ist gut. Vor allem aber sind die Leistungen international überdurchschnittlich. Das Ostland nahm nämlich schon als eines von wenigen Bundesländern an der letzten Iglu-Studie teil. Auch Bayern und Baden-Württemberg schnitten damals gut ab, bieten aber schlechtere Bedingungen in punkto Betreuung.
In Sachen Einschulung wurde Berlin zum Vorreiter – hier beginnen Kinder ihre Schullaufbahn bereits mit fünfeinhalb. Baden-Württemberg wiederum achtet besonders auf die oftmals sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Jüngsten, indem es in den ersten Klassen altersgemischten Unterricht anbietet. In Bremen beherzigte man die Erkenntnis, dass junge Gehirne schneller Sprachen begreifen: Hier lernt inzwischen jeder zweite Grundschüler eine Fremdsprache.
Hoffnungen ruhen auch auf Ganztagesangeboten, von denen vor allem sozial benachteiligte Grundschüler profitieren. Auch hier schneidet Thüringen gemeinsam mit Sachsen und Berlin gut ab. In Nordrhein-Westfalen sollen in Zukunft alle Grundschulen zu offenen Ganztagsschulen mit freiwilligen Nachmittagsaktivitäten werden.
Weil die Benachteiligung von Migrantenkindern oft schon im Vorschulalter beginnt, richten zudem derzeit fast alle Bundesländer Sprachtests im Kindergarten ein. Wer solche Tests nicht besteht, soll extra Deutschstunden erhalten, um schon vor der Schule sein Sprachdefizit wettzumachen.