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Die Freiheit der Finanzmärkte, ihre weitgehende Deregulierung, bedingt auch, dass diese Märkte nicht mehr demokratischen Prozessen unterliegen, sondern, übermächtig in Bezug auf die Durchsetzung ihrer Interessen, in einem kaum mehr zu kontrollierenden Maße die Tagespolitik beherrschen und, wie wir es gerade jetzt erleben, diktieren können - nicht zuletzt durch ihre überbordende finanzielle Ausstattung, die es ihnen erlaubt, wettbewerbswidrig die öffentliche Meinung und damit auch politische Entscheidungen zu beherrschen und zu forcieren.
Volkswirtschaften und die in ihr lebenden Menschen werden zu Getriebenen, sie werden in Geiselhaft genommen und sollen sich dem Diktat der entfesselten Finanzwirtschaft unterwerfen. Wirklich demokratische Entscheidungen, die auf dem Angebot von Alternativen beruhen (gerade die sind ja auch für eine funktionierende Marktwirtschaft von so großer Bedeutung), haben es in einer solchen Konstellation äußerst schwer und sind bereits - so steht zu befürchten - beinahe unmöglich geworden. Die Monopolisierung schreitet voran. Es scheint da ein Interessen-Monopol zu geben, dem man bevorzugt und übereifrig Unterstützung und Abhilfe verschafft, ein Interpretationsmonopol und eines der Politik (!), insbesondere der Finanz-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik, die sich strikt weigern, Alternativen zuzulassen (siehe hierzu auch den Lissabonvertrag, der z. B. Streiks der arbeitenden Bevölkerung nur noch zulassen will, sofern sie die Wirtschaft nicht "stören". Sind zielführende Streiks dann überhaupt noch möglich?). Dies deutet auch auf die Installation eines Tarifmonopols hin, bei dem vorzugsweise nur noch Arbeitgeberverbände und ihre Anhängsel Lohnhöhe und Arbeitsbedingungen vorgeben und diese nicht mehr in einem Verhandlungsprozess zwischen Arbeitnehmern, Gewerkschaften und Unternehmen bestimmt werden sollen. Das bedeutet nichts anderes als die Abschneidung fundamentaler Interessen und Rechte der Arbeitnehmer und die Überführung des überwiegenden Teiles der Bevölkerung in Unfreiheit.
Die Aneignung des Gewaltmonopols durch Wirtschaft und Finanzindustrie wäre dann nur noch der letzte, entscheidende und vollendende Schritt hin zur endgültigen Diktatur des Kapitals.
Ich neige keineswegs zu Kommunismus oder Sozialismus, sondern wünsche mir vor allem eine soziale Marktwirtschaft, in der freie Menschen in einem freien, demokratischen und sozialen Rechtsstaat ungezwungen sich ihren jeweiligen Interessen und Neigungen nach entwickeln können, unterstützt durch die Solidarität der Gesellschaft, das Bildungssystem und einen Staat, der nicht nur allen gleiche Chancen einräumt (das alleine reicht bei Weitem nicht!), sondern das Recht auf Bildung und Teilhabe auch tatkräftig mit allen ihm zur Verfügung stehenden MItteln durchzusetzen bereit und in der Lage ist.
@blaublütiger hochadel, ich grüße ebenfalls recht herzlich!
Gruß
Janna