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Merken   Drucken   26.06.2009, 19:39 Schriftgröße: AAA

Marnettes Wutrede: "Bankster in den Landesbanken"  

Selten hat der Rücktritt eines Landesministers einen so großen politischen Eklat ausgelöst wie der von Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister. Nach seinem Abgang im Zorn legt Werner Marnette kräftig nach - und präsentiert sich als schärfster Kritiker der Landesbanken. von Thomas Steinmann (Hamburg)
Lange genug hat Werner Marnette in aller Ruhe dagesessen, hat am Bügel seiner Brille geknabbert und sich angehört, wie ein Vertreter des Sparkassenverbandes über die "Bankster" in Frankfurt herzieht. Dann kann sich der frühere schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister nicht mehr beherrschen: Seine Stimme wird immer lauter, Marnette redet sich in Rage. Jetzt zieht auch er über Bankster her - für ihn sitzen sie in den Vorständen der Landesbanken und Staatskanzleien der Bundesländer.
Es ist einer von Marnettes seltenen öffentlichen Auftritte nach seinem plötzlichen Rücktritt im Streit um die Rettung der maroden HSH Nordbank Ende März. Der frühere Industriemanager soll an diesem Abend über die Frage sprechen, ob das Land noch Landesbanken braucht - und er macht da weiter, wo er mit seinem knalligen Abschied aus Kiel aufgehört hat. Damals hatte er in einem Wutinterview nachgetreten, wie man es in der deutschen Politik selten erlebt hat. Jetzt legt Marnette nach. Mit einer Wutrede.
Die Stimme schneidend, Daumen und Zeigefinger wie zu einer Pistole gespreizt, knöpft er sich Banker und Politiker vor. Die Landesbanken hätten sich von ihren Kunden abgewendet, Geschäfte außerhalb der Bilanz gemacht und Milliardenrisiken angehäuft, wettert Marnette. Wie könne es sein, dass das Kreditersatzgeschäft, das für die Schieflage der HSH Nordbank verantwortlich ist, erstmals im Geschäftsbericht 2007 auftaucht? Wie könne es sein, dass dieses Geschäft nicht Gegenstand der Prüfung durch die Wirtschaftsprüfer gewesen ist? Wie könne es überhaupt sein, dass eine Landesbank Risiken von mehr als 30 Mrd. Euro im Kreditersatzgeschäft eingeht - obwohl die Haushalte der beiden größten Anteilseigner Hamburg und Schleswig-Holstein zusammen gerade einmal rund 20 Mrd. Euro betragen?

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