Merken
Drucken
17.02.2011, 16:04
Schriftgröße: AAA
Mehr Kontrolle:
Grauer Markt soll sicher werden
Erstaunlich hohe Renditen, angeblich sichere Anlagen: jährlich werden Anleger von unseriösen Angeboten in dem Segment um Milliarden erleichtert. Die Minister Schäuble und Brüderle wollen nun schärfere Kontrollen zur Pflicht machen.
Anleger sollen künftig besser vor unseriösen Geldanlagen auf dem so genannten grauen Kapitalmarkt geschützt werden. Nach langem Streit haben sich Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) auf einen Gesetzentwurf für strengere Regeln auf diesem bisher kaum regulierten Finanzmarkt verständigt. Regelungslücken würden nun geschlossen, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag mit.
Finanzminister Schäuble (l) und Wirtschaftsminister Brüderle wollen strengere Kontrollen für den grauen Markt
Künftig sollen auf dem grauen Markt Aufsichtsregeln gelten, die im regulierten Bereich längst Standard sind. Geplant sind ein Sachkundenachweis sowie eine Berufshaftpflicht-Versicherung der Vermittler. Sie müssen zudem umfangreichen Informations-, Beratungs- und Dokumentations-Pflichten nachkommen und ihre Provisionen offenlegen.
Der Entwurf sieht auch eine Regelung in der bis zuletzt strittigen Frage der Aufsicht vor. Danach sollen die Gewerbeaufsichtsämter die Vertriebserlaubnis erteilen. Dies stieß bei Verbrauchschützern zuletzt auf massive Kritik. Sie fordern eine Aufsicht durch Finanzkontrolleure der BaFin. Den Plänen zufolge soll sie zumindest die Verkaufsprospekte für Graumarktprodukte prüfen.
Auf dem grauen Kapitalmarkt - einem provisionsgetriebenen Sektor mit rund 80.000 freien Vermittlern - verlieren Anleger alljährlich Milliarden, weil sie auf unseriöse Angebote hereinfallen. Experten beziffern den Schaden auf jährlich etwa 20 bis 30 Mrd. Euro - teils durch Betrug, deutlich überhöhte Provisionen oder schlicht Missmanagement. Auf dem grauen Kapitalmarkt werden sowohl staatlich kaum regulierte, aber durchaus seriöse Angebote gehandelt als auch Produkte, die bereits in betrügerischer Absicht aufgelegt werden.
Teil 2: "Beipackzetteln" für Graumarktprodukte
-
dpa, 17.02.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden