Angela Merkel will sich nur auf ein TV-Duell mit Bundeskanzler Schröder einlassen.
Auch die ersatzweise von den Sendern ins Gespräch gebrachte Live- Gesprächsrunde mit den beiden Kandidaten und von den Sendern ausgewählten Bürgern lehnten Merkels Entsandte bei einem Treffen zwischen den Fernsehsendern ARD, ZDF, RTL und Pro7/Sat 1 sowie Verhandlungsführern von Union und SPD am Samstag in Berlin ab. Die Unionskandidatin wolle "höchstens" einmal gegen Schröder antreten. Für weitere Treffen habe sie "keine Zeit", zitierten Teilnehmer die Unionsvertreter. Man könne aber über die Länge des einen TV-Duells diskutieren, sagte Merkels Sprecherin Eva Christiansen. Die Sendung könne auch länger als 60 Minuten gehen.
Das Gespräch sei dann auf Wunsch der Regierungsseite auf Mitte nächster Woche vertagt worden, hieß es bei der Union. Schröder hatte noch am Samstag im Wahlkampf in Bayern sein Angebot erneuert, wie schon 2002 für zwei TV-Duelle zur Verfügung zu stehen. "Zeit ist da", sagte er in Amberg.
Schröder wirft Merkel Zaghaftigkeit vor
Schröder warf Merkel wegen ihrer Weigerung Zaghaftigkeit und unlauteres Verhalten vor. Er hielt Merkel vor, Zeitgründe nur vorzuschieben. Auf dem Landesparteitag der bayerischen SPD in Amberg sagte Schröder: "Wenn man das aus anderen Gründen nicht will, sollte man das sagen."
Als Grund für die Ablehnung eines zweiten Duells hieß es aus der Union, Merkel wolle in diesem kurzen Wahlkampf möglichst viele Formate abdecken. Das TV-Duell sei nur eines von vielen Möglichkeiten. Sie sei zum Beispiel bereit, an einer Fernseh-Runde der Spitzenkandidaten der Bundestags-Fraktionen teilzunehmen, hieß es. Dafür gebe es auch schon Anfragen von ARD und ZDF.
Anda: "Ich wundere mich sehr"
Bei dem Treffen verwiesen die Sender auf die hohen Einschaltquoten der beiden TV-Duelle im Wahlkampf 2002 von Schröder und seinem damaligen Herausforderer, CSU-Chef Edmund Stoiber. Damals hätten jeweils 14 Millionen Menschen zugesehen.
Seitens der Sender sei bei dem Treffen darauf verwiesen worden, dass alle Parteien an einer hohen Wahlbeteiligung interessiert sein müssten, damit die neue Bundesregierung über "ein starkes Mandat verfüge". Mit solchen TV-Duellen könne sich der Bürger einen guten Einblick in die unterschiedlichen Positionen von Kanzler und Herausforderin verschaffen. hieß es weiter. Regierungssprecher Béla Anda sagte: "Ich wundere mich sehr. Offensichtlich will die Union einem Millionen-Publikum etwas verbergen."