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Merken   Drucken   17.11.2003, 14:38 Schriftgröße: AAA

Michael Moore: Linkes Idol aller Bush-Gegner

Die Anti-Bush-Bewegung hat einen Namen: Michael Moore. Besonders in Deutschland hat sich der Film- und Buchautor, dem Kritiker Populismus vorwerfen, einen Namen als scharfzüngiger Gegner des US-Präsidenten gemacht. Jetzt können ihn seine Fans live erleben: Moore tourt durch die Bundesrepublik. von Christiane Schreier
Michael Moore   Michael Moore
Michael Moore hat es nicht eilig. Wie das Publikum bei der Lesereise für sein neues Buch "Volle Deckung, Mr. Bush" lässt er auch die Presse warten, ganz wie ein alternativer Star. In blauen Schlabberjeans und grüner Baseballmütze spaziert der dickliche Amerikaner in den Raum eines Berliner Hotels, in dem eine Hundertschaft Journalisten auf ihn wartet - fast überrascht darüber, was für einen Trubel er auslöst.
Ob er unter seinem Erfolg leide, fragt ihn ein Journalist. Michael Moore grinst: "Es war nie mein Ziel, so erfolgreich zu sein, aber ich fühle mich geehrt."
Mit 49 Jahren steht der preisgekrönte Dokumentarfilmer und Autor auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Für den Dokumentarfilm "Bowling for Columbine", der erfolgreichste Film dieser Art in Deutschland, bekam er im März einen Oscar; sein Buch "Stupid White Men" hat sich allein hier zu Lande bereits 1,3 Millionen Mal verkauft - mehr als in seiner Heimat -; und sein neues Buch, das am Freitag in Deutschland erschien, führt in den USA ebenfalls die Bestsellerlisten an.
Guter Mix aus politik und polemik
Sein Mix aus investigativem Journalismus, Polemik und Politik kommt an. Michael Moore überspitzt, vereinfacht, provoziert. Da stört auch wenig, wenn sich manche der von ihm zusammengetragenen Fakten nicht halten lassen: Moore, der selber wie einer der typischen Durchschnittsamerikaner aussieht, die er so gerne karikiert, beschreibt all das, was vor allem viele Linke an Amerika und seinen Bewohnern hassen.
Moore ist aber weitaus mehr als ein Bestsellerautor: Längst ist er zum Anführer einer weltweiten Anti-Bush-Bewegung aufgestiegen, die sich zum Ziel gesetzt hat, den US-Präsidenten nächstes Jahr aus dem Amt zu jagen. "Endlich sagt mal einer, was wir alle denken", bewundert ein Zuhörer in Berlin sein Idol. Er spricht nicht für Intellektuelle, sondern für das einfache Volk. Und das hört ihm zu, vielleicht auch deshalb, weil er einer von ihnen ist.
Moore, geboren 1954 in Flint, begann als Journalist. Er gab das linke Magazin "Mother Jones" heraus, bevor er sich dem Film zuwandte. 1989 schaffte er den Durchbruch mit "Roger and Me", einem Protestfilm gegen Massenentlassungen bei General Motors. Vor der Präsidentenwahl 2004 will er einen neuen Film herausbringen: "Fahrenheit 9/11: Die Temperatur, bei der die Wahrheit brennt".
Seinen besten Feind hat Moore übrigens nur ein Mal persönlich getroffen. Als George W. Bush ihm riet, einen anständigen Beruf zu lernen, erwiderte er: "Frag doch mal meinen Vater, ob er einen Ölkonzern für mich übrig hat."
  • FTD, 17.11.2003
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