Demnach zählten im Jahr 2007 von den 2,3 Millionen Familien mit Migrationshintergrund 368.000 zu den kinderreichen Familien. Das entspricht einem Anteil von 16 Prozent. Bei den deutschen Familien betrug dieser Anteil nur neun Prozent. Hier waren von den 6,2 Millionen Familien 558.000 kinderreich. Zugleich ist der Anteil der von Armut bedrohten oder in Armut lebenden Familien bei Großfamilien besonders hoch.
Die Zahlen basieren auf dem Mikrozensus, einer Stichprobe von einem Prozent der Bevölkerung. Sie dürften die Debatte um die geplante Kindergelderhöhung neu entfachen. Denn die Daten belegen, dass nur wenige Familien und Kinder vom nach Anzahl der Kinder gestaffelten Kindergeld profitieren: Die mit wachsender Kinderschar steigende staatliche Unterstützung nutzt im Schnitt nur etwa jedem zehnten Kind und vor allem solchen in Familien mit Migrationshintergrund.
Bisher haben sich die Koalitionspartner lediglich darauf geeinigt, das Kindergeld zu erhöhen, über den Umfang und die Ausgestaltung liegen SPD und CDU/CSU aber im Streit. Spätestens im Herbst, nach der Vorstellung des Existenzminimumsberichts, müssen die Parteien eine Entscheidung fällen, damit das Kindergeld wie geplant Anfang 2009 steigen kann.
Während Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) entschlossen ist, bei der Kindergelderhöhung Großfamilien zu begünstigen, befürworten andere eine stärkere Erhöhung beim ersten und zweiten Kind. Aus Sicht des Familienministeriums müssen Eltern mit vielen Kindern besonders unterstützt werden. "Man wird nicht nur über eine Leistungserhöhung sprechen, sondern auch darüber, wie wir das Kindergeld gestalten, damit es dort wirkt, wo es am nötigsten gebraucht wird", sagte die Ministerin am Dienstag zur Auswertung der Statistiker.
Teil 2: Männer verharren in der Rolle des Ernährers