Das erfuhr FTD-Online am Freitag aus Parteikreisen in Berlin. Eine CDU-Sprecherin wollte die Information zunächst nicht bestätigen. Parteigeneralsekretär Ronald Pofalla will die genauen Mitgliederzahlen aber am Montag im Adenauer-Haus in Berlin auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz verkünden.
Die Tatsache, dass die SPD erstmals weniger Mitglieder als die CDU hat, dürfte die innerparteiliche Debatte um die Rolle von SPD-Chef Kurt Beck und die interne Führungskrise bei den Sozialdemokraten erneut anheizen. SPD und CDU hatten sich bei den Mitgliederzahlen zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Ende Mai lagen die Sozialdemokraten auf Grund ihres dramatischen Mitgliederschwunds mit 531.737 eingeschriebenen Anhängern nur noch hauchdünn vor der CDU, die 531.299 Mitglieder verzeichnete.
Die Mitgliederzahlen bei der SPD sind seit Jahren rückläufig: 1976 hatten noch mehr als eine Million Bundesbürger ein Parteibuch. Die CDU kam deutlich abgeschlagen auf rund 600.000 Mitglieder. Seit Anfang der 90er-Jahre hat die SPD im Jahresschnitt 24.000 Mitglieder verloren. Während der Auseinandersetzungen über die Reformpolitik der "Agenda 2010" des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder kehrten sogar rund 50.000 Mitglieder 2003 und 2004 der Partei den Rücken.
Zuletzt berichtete die Partei von einer Verlangsamung des Mitgliederschwundes. Bis Ende Mai hätten rund 8000 Sozialdemokraten ihr Parteibuch zurückgegeben, hatte Bundesgeschäftsführer Martin Gorholt Ende Juni gesagt. Bei 7160 Neumitgliedern sei der Rückgang nicht so krass wie in den Jahren zuvor ausgefallen. Trotzdem besaßen Ende Juni nur noch 529.994 Menschen ein SPD-Parteibuch.
Auch die CDU verliert seit Jahren Mitglieder - allerdings nicht so stark wie die Sozialdemokraten. Beide Volksparteien haben mit der nachlassenden Bindungskraft zu kämpfen. 1983 hatten die Christdemokraten mit rund 735.000 Mitgliedern ihren Höchststand. Danach ging es bis 1989 bergab: In den Jahren nach der Wiedervereinigung gewann die CDU dann noch einmal Mitglieder. Doch seit 1993 zeigt der Trend nach unten.