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Merken   Drucken   27.10.2008, 08:24 Schriftgröße: AAA

Nach Kritik an Ifo-Chef: Sinn entschuldigt sich bei Juden  

Normalerweise interpretiert der Ifo-Chef Zahlen, nun hat er sich an der Geschichte versucht: Hans-Werner Sinn verglich Kritik an Managern mit der Judenverfolgung und erntete breite Empörung. Jetzt hat sich der Ökonom entschuldigt - und das Zitat als missverständlich dargestellt.
Er habe "das Schicksal der Juden nach 1933 in keiner Weise mit der heutigen Situation der Manager vergleichen wollen", schrieb Sinn in einem auf Montag datierten Brief an die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch. "Ein solcher Vergleich wäre absurd. Mir ging es allein darum, Verständnis dafür zu wecken, dass die wirklichen Ursachen weltwirtschaftlicher Krisen Systemfehler sind, die aufgedeckt und beseitigt werden müssen. Die Suche nach vermeintlichen Schuldigen führt stets in die Irre."
Der Präsident des Ifo-Instituts hatte dem "Tagesspiegel" gesagt: "In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken." In der Weltwirtschaftskrise von 1929 "hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager". Sinn Äußerungen hatten unter vielen Politikern für Empörung gesorgt, zuletzt forderte auch die Bundesregierung eine Klarstellung. Sinn ist seit 1989 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium.
In seinem Brief an Knobloch schreibt Sinn, die "tiefe persönliche Freundschaft mit vielen jüdischen Kollegen auf dieser Welt" sowie "meine Scham und mein Entsetzen gegenüber dem, was den Juden von Deutschen angetan wurde" hätten sein Leben geprägt. "Ich bitte die jüdische Gemeinde um Entschuldigung und nehme den Vergleich zurück."

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