Schleswig-Holsteins FDP-Sozialminister und stellvertretender Ministerpräsident Heiner Garg mahnte derweil einen "mutigen Schritt" seines Parteivorsitzenden im Streit um die Reform an: "Es wäre ein genialer Schachzug von Guido Westerwelle, wenn er die ritualisierte Verhandlungskonfrontation mit einem mutigen Beitrag zum Konsens aufbrechen würde." Dabei würde er es sehr begrüßen, wenn sich die FDP in den Streitfragen zur Lohnuntergrenze und zur gleichen Bezahlung von Stammbelegschaften und Leih- und Zeitarbeitern "weniger dogmatisch als bisher zeigen würde". Garg hob hervor, dass es sozial- und gesellschaftspolitisch richtig sei, für die Zeitarbeit eine Lohnuntergrenze vorzuschreiben.
Die saarländischen Grünen hatten am Donnerstagabend ihre Ablehnung der Hartz-IV-Reformpläne bekräftigt. Der Landesvorstand habe auch die angebotenen Nachbesserungen einstimmig abgelehnt, sagte Landesparteichef Hubert Ulrich nach einer Sondersitzung des Landesparteivorstands in Saarbrücken. Ulrich begründete die Ablehnung mit "ganz starken Bedenken", dass die Verfassungsmäßigkeit der Hartz-IV-Regelsätze nicht gegeben sei. Zudem seien die Angebote zu Mindestlöhnen und bei der Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit im Bereich der Zeitarbeit "nicht weit genug" gegangenen.
Laumann: FDP für Scheitern der Hartz-Gespräche mitverantwortlich
Der Chef der CDU-Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann, wies der FDP eine Mitverantwortung für das Scheitern der Hartz-IV-Einigungsgespräche zu. Wer wie die FDP eine gleiche Bezahlung für Leiharbeiter erst nach neun Monaten wolle, sei entweder "böswillig oder hat keine Ahnung", sagte der nordrhein-westfälische CDU-Fraktionschef.
Er forderte die FDP auf, "vernünftig" zu werden. Nach Auffassung Laumanns hat aber auch die SPD die Gespräche mit immer neuen Forderungen "überfrachtet". Die SPD habe versucht, die schwarz-gelbe Bundesregierung zu "sozialdemokratisieren", kritisierte Laumann.