Heute Abend um 22.45 Uhr gehts los und Stefan Raabs neue Politik-Talkshow ist schon lange vorher "Talk of the Town" im politischen Berlin. Die Show stößt parteiübergreifend auf Kritik, was dem Moderator allerdings gelegen kommen könnte. Publicity gibt es nach der Absage von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) jedenfalls genug. "Wir Politiker sollten darauf achten, dass wir nicht wie Tanzbären durch die Zirkusmanege gezogen werden", warnte FDP-Generalsekretär Patrick Döring in der "Bild am Sonntag". Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) monierte dort: Öffentliche Auftritte von Politikern dürften nicht in der Veralberung enden. "Ich würde an diesem TV-Format nicht teilnehmen." Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner fürchtet laut Zeitung, dass sich "Politiker hier in verschärfter Form zum Depp machen lassen sollen".
In der Sendung "Absolute Mehrheit - Meinung muss sich wieder lohnen" diskutieren Politiker um die Wette, es geht um ein Preisgeld von 100.000 Euro. Das bekommt derjenige, der bei einer Zuschauerabstimmung die absolute Mehrheit erreicht. Raab zielt damit auf ein jüngeres Publikum. "Einige in der Politik versuchen hier offenbar etwas zu verhindern, das sie mit ihren alten Mechanismen nicht beherrschen und kontrollieren können", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".
In den vergangenen Tagen hatte es Wirbel um die Gäste gegeben. Altmaier zog sich enttäuscht zurück. Es seien ihm SPD-Hochkaräter wie Hannelore Kraft oder Andrea Nahles als Gäste zugesichert worden. Jetzt war der Umweltminister offenbar enttäuscht darüber, dass von den Sozialdemokraten nur Talkshow-Stammgast Thomas Oppermann kommt, der sich immerhin unbändig zu freuen scheint.
Auch um den Grünen Volker Beck hatte es Aufregung gegeben, weil er angeblich auf Betreiben von Altmaier ausgeladen worden war, was dieser jedoch heftig bestreitet. Als Gast für die CDU nimmt nun Michael Fuchs teil, für die FDP ist immerhin Wolfgang Kubicki dabei. Die Linke schickt dagegen den nur Experten bekannten Jan van Aken ins Rennen. Aus der Wirtschaft nimmt die Unternehmerin Verena Delius teil. Raab wird bei seinem Ausflug in die Politik unterstützt von Sat.1-Nachrichtenchef Peter Limbourg.
Der Vorsitzende der Piratenpartei, Bernd Schlömer, fürchtet, die Sendung könne Populismus fördern, was bei einem Polittalk auf ProSieben nicht auszuschließen ist. Kubicki verteidigt das Format. "Ich fände es gut, wenn mehr junge Menschen als bisher durch eine solche Sendung veranlasst würden, sich mehr mit Politik zu beschäftigen." Wenn er gewinne, wolle er das Geld an sechs gemeinnützige Einrichtungen spenden. Oppermann kündigte via Twitter das Gleiche an.