Erste Untersuchungen der Proben von Puten- und Hühnerfleisch hätten ergeben, dass das Fleisch verdorben war, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums am Freitag in Hannover. Ob das Fleisch auch gesundheitsschädigend gewesen sei, werde noch untersucht. Mit Ergebnissen sei Anfang kommender Woche zu rechnen. Das Bundesverbraucherschutzministerium forderte von Niedersachsen umfassende Information über mögliche Gesundheitsrisiken.
Im Zuge des Skandals wurden nach Angaben des niedersächsischen Justizministeriums am Donnerstag bundesweit 15 bis 20 Gebäude durchsucht. Es habe sich um Objekte in Berlin, Karlsruhe, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gehandelt, sagte eine Sprecherin des Justizministeriums. Die Betriebe seien vermutlich Abnehmer des Geflügelfleisches. Es gebe Hinweise, dass die Lieferungen aus Lastrup über Niedersachsen hinausgingen, sagte die Sprecherin. Die Kontrollen durch die Veterinärämter seien offenbar unterlaufen worden.
Mit Wasser aufgespritzt
In dem Betrieb in Lastrup seien mehr als 20 Tonnen Geflügelfleisch beschlagnahmt worden, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Ob das Fleisch, von dem die Proben stammen, in den Handel hätte gehen sollen, sei noch nicht klar.
Bei der Firma in Lastrup wurde das Geflügelfleisch den Angaben zufolge gelagert und in einer dazu gehörenden Firma in Lindern zerlegt. Gegen die Verantwortlichen der beiden Firmen laufen Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz und wegen gewerbsmäßigen Betruges. So soll tiefgefrorenes Geflügelfleisch unsachgemäß aufgetaut und als Frischfleisch verkauft worden sein. Von den Abnehmern beanstandetes und zurückgeschicktes Fleisch soll eingefroren und später wieder als Frischfleisch verkauft worden sein. Außerdem soll Fleisch mit Wasser aufgespritzt worden sein, damit es schwerer wird.
Eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums in Berlin sagte, Niedersachsen sei am Donnerstagabend gebeten worden, umfassend über den Stand der Untersuchungen zu informieren. Die Frage sei, ob es eine Gefahr für die Verbraucher gebe und wohin das Fleisch geliefert worden sei. So müsse gegebenenfalls Fleisch aus anderen Bundesländern und aus anderen Staaten zurückgeholt werden. Die Lebensmittelkontrolle sei Ländersache, sagte die Sprecherin; eine Rückholaktion müsse aber der Bund koordinieren.
Erst Mitte Oktober war in Bayern ein Mann festgenommen worden, der mehrere hundert Tonnen Fleischabfälle, die für Menschen ungenießbar waren, als genießbar deklariert und weiter verkauft hatte. Im Frühjahr war Real, eine Tochter des Handelskonzerns Metro, von einem Skandal um Frischfleisch erschüttert worden. In mehreren Filialen hatten Mitarbeiter Hackfleisch mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum umetikettiert.