Das Vorschlagsrecht reklamiert die Koalition für sich. "Die Koalition hat eine Mehrheit in der Bundesversammlung", sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) der "Bild am Sonntag". Einen Kandidaten von Gnaden der SPD werde es daher nicht geben. Der Fraktionschef reagierte damit auf Äußerungen von SPD- und Grünen-Politikern, die kein Mitglied aus dem Bundeskabinett als gemeinsamen Präsidentenkandidaten akzeptieren wollen.
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz hielten die Oppositionsparteien aber an dieser Forderung fest. Nach Möglichkeit solle auch kein aktiver Politiker einer Partei neuer Bundespräsident werden, sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel. Ähnlich äußerten sich der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir und die Fraktionschefin Renate Künast. Sie verlangte, dass auch Frauen bei der Auswahl berücksichtigt werden.
Gabriel machte sich erneut für eine Kandidatur von Joachim Gauck stark. Der frühere DDR-Bürgerrechtler und erste Chef der Stasiunterlagen-Behörde war Wulff bei der Präsidentenwahl 2010 unterlegen. Gauck ist aber im schwarz-gelben Lager kaum durchsetzbar.
Steinmeier forderte Merkel auf, sich "ein bisschen mehr Mühe" zu geben bei der Kür des nächsten Staatsoberhauptes. Unter der Ägide der Kanzlerin hat es bisher zwei Bundespräsidentenrücktritte gegeben - ein einmaliger Vorgang in der Nachkriegszeit: Horst Köhler Ende Mai 2010 und nun Wulff.
Bei der aktuellen Zusammensetzung der Bundesversammlung würde Merkel Gefahr laufen, ihren Kandidaten nicht durchzubringen. Das könnte das Ende ihrer Koalition bedeuten.