Präsidentenwahl
Das Kandidatenkarussell für Bellevue steht still
SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, ohne Vorfestlegung in die Gespräche mit SPD und Grünen zu gehen. "Wir machen nicht mit, wenn wir nach der Methode "Friss Vogel oder stirb" einen Kandidaten vorgesetzt bekommen", machte der SPD-Chef klar. Sollte die Koalition keine ernsthaften Gespräche mit der SPD und den anderen Parteien im Bundestag führen, werde es einen Gegenvorschlag geben. "Ich hoffe nicht, dass es dazu kommt."
"Wir können zu einem gemeinsamen Kandidaten nur kommen, wenn es von Anfang an ein offenes Gespräch über infrage kommende Personen gibt", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Auch er warnte Schwarz-Gelb, einen Kandidaten zu präsentieren, zu dem die Opposition nur noch Ja oder Nein sagen könne. Die Grünen wollen ebenfalls keinen Bewerber der Koalition abnicken. Ein Mitglied der Bundesregierung schließen beide Parteien kategorisch aus. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast verlangte, dass auch Frauen bei der Auswahl berücksichtigt werden.
Gabriel bekräftigte zudem, dass Joachim Gauck der Favorit der SPD für das höchste Staatsamt bleibe. "Er täte unserem Land gut und hätte großes Vertrauen bei den Bürgern." Aber auch die SPD werde nicht mit absoluten Vorfestlegungen in die Gespräche um die Wulff-Nachfolge gehen.
Gauck wird laut einer Emnid-Umfrage auch in der Bevölkerung favorisiert. Gut jeder zweite Deutsche wünscht sich den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler als Staatsoberhaupt. In der Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" sprachen sich 54 Prozent für Gauck aus. Auch in einer Forsa-Umfrage für RTL sagten 46 Prozent, sie hielten ihn für geeignet. Beim ARD-Deutschlandtrend hatten sich 43 Prozent für den ehemaligen DDR-Oppositionellen ausgesprochen. Gauck gilt im schwarz-gelben Lager aber als kaum durchsetzbar.
Gabriel und Grünen-Chef Cem Özdemir sagten, aus ihrer Sicht könne auch die Linke zu den Verhandlungen über einen Konsenskandidaten für das höchste Staatsamt eingeladen werden. Linksfraktionschef Gregor Gysi warf Merkel vor, mit dem Ausschluss der Linken Millionen von Menschen zu ignorieren.