Das Bundesinnenministerium bestätigte am Freitagabend der Nachrichtenagentur AP einen Bericht von "Spiegel online" über ein neues Drohvideo der Taliban. Ministeriumssprecher Stefan Paris sagte, es enthalte eine deutliche Bedrohung Deutschlands, aber es ergebe sich daraus keine konkrete Terrorgefahr. Es sei das siebte Bedrohungsvideo seit zwei Wochen.
Experten des Bundeskriminalamtes hielten es nach erster Analyse für authentisch, berichtete "Spiegel online". In dem Video werde ein deutschsprachiger Kämpfer gezeigt, der sich "Ajjub" nenne. Er sage wörtlich: "Erst durch euren Einsatz hier gegen den Islam wird ein Angriff auf Deutschland für uns Mudschahedin verlockend." Es sei nur eine Frage der Zeit, bis "der Dschihad die deutschen Mauern einreißt".
Dazu würden Fotos vom Brandenburger Tor, dem Hauptbahnhof in Hamburg, dem Oktoberfest, dem Kölner Dom und der Frankfurter Skyline eingeblendet. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung würden ebenfalls gezeigt, hieß es weiter. Das Video ist dem Bericht zufolge am Freitagabend auf einer einschlägig bekannten dschihadistischen Internetseite erschienen. Es nimmt auch bezug auf den umstrittenen Einsatz von Nato-Bombern gegen zwei gekaperte Tanklastzüge, der Anfang September von einem deutschen Offizier angefordert worden war.
"Spiegel online" zitierte einen deutschen Sicherheitsbeamten, der sagte, man halte das Taliban-Video nach erster Analyse für "das konkreteste Drohvideo, das sich je gegen Deutschland richtete". Es würden Orte für mögliche Anschläge gezeigt und der Bundesverteidigungsminister "konkret als Zielperson eingeblendet." Das habe es in dieser expliziten Form noch nie gegeben.
Bin Laden-Video mit deutschen Untertiteln
Terroristenchef Osama bin Laden hat sich unterdessen
in einer neuen Video-Botschaft an die Europäer gewandt. Wie das
amerikanische Intel-Center, zuständig für die Einschätzung von
terroristischen Internet-Botschaften am Freitag mitteilte, rief der
El-Kaida-Chef die Europäer darin auf, ihre Truppen aus Afghanistan
abzuziehen. Die Europäer sollten "von den Fehlern anderer lernen",
heiße es in der Botschaft.
Im Bundesinnenministerium ist die Bin-Laden-Botschaft bekannt, und
sie werde sehr ernst genommen, sagte am Abend ein Sprecher. Das Band,
das sich in die massive Propaganda der El Kaida einfüge, werde
derzeit ausgewertet: "Wir tun unsere Arbeit, und wir tun das ruhig
und gewissenhaft. Wir lassen uns nicht in den Zustand der Erregung
versetzen."
"Welt online" und "Spiegel online" berichteten unter Berufung auf
die Aufnahmen, Bin Laden sei darin nur als Standbild zu sehen. Er
unterbreite - mit deutschen Untertiteln - seine Analyse des
Verhältnisses der Europäer zu den Muslimen und lege seine Sicht der
Zukunft der NATO in Afghanistan dar. Das Propagandawerk sei knapp
fünf Minuten lang.