In der Wartehalle des Flughafens Tegel, militärischer Teil, kurz vor dem Start der Kanzlermaschine Richtung G20-Gipfel. November 2010. Ich passiere mit meinem Handgepäck die Kontrollen und spaziere auf die wartenden Kollegen zu. Da nimmt mich ein Herr vom Sicherheitsdienst beiseite und öffnet eine Tür, hinter die keiner von uns Journalisten je hat blicken dürfen. Die Kollegen schauen mir neidisch hinterher. Wir laufen durch einen langen Flur, bis die Neugier aus mir platzt. "Und was haben wir hier vor?" Der Sicherheitsmann: "Ja, sind Sie denn nicht die Chefvisagistin der Frau Bundeskanzlerin?" - "Natürlich", sagte ich. Den Rest verrate ich nicht. Claudia Kade
Da wollte ich eine Reportage machen über schöne, exotische Marathons. Wer so was braucht? Natürlich unsere Reiseseite. Und Manager und andere Vögel, die meinen, sie müssten mal einen Marathon in der Arktis oder den Everglades machen. Meine Recherche führte mich nach Kambodscha, wo ich durch die Tempelfelder von Angkor Wat lief, gequält von Hitze und Mückenbrut. Wenigstens bleibt mir jetzt der Lauf in Kioto erspart. Dortigen Projekten geht eh gern mal die Puste aus. Claudia Wanner
Im Gegensatz zum Betätigungsfeld FTD-Journalismus hat ein Dasein als Schweizer Steuerschmuggler eine Zukunft. Jedenfalls jetzt, da ich die Geschichte eines solchen nicht aufschreibe, der sich findig im Markt bewegt und darauf spezialisiert hat, für Steuerflüchtlinge Geld und dergleichen zurück nach Deutschland zu holen. Das Nichterscheinen hat mir aber auch diverse Verhöre beziehungsweise meine Liquidation erspart. Frank Bremser
Man wird ja wohl noch träumen dürfen! Das habe ich mir oft gedacht in den Jahren bei der FTD. Einer dieser Träume war eine Rubrik mit dem Namen "Deine Mutter". Die hätte toll auf die Out-of-Office-Seite gepasst. Was hätte man dort für Nachrichten spielen können! Ständig gibt es Mamageschichten zu erzählen. Kate und William und die Schwangerschaftsübelkeit: Deine Mutter. Yahoo-Chefin Marissa Mayer bringt ihr erstes Kind zur Welt: Deine Mutter. Ein deutscher Großverlag macht seine Tochterfirma zu: Deine Mutter. Und zum Muttertag dann ein Special, auf einer ganzen Zeitungsseite. Denkbar wäre mittelfristig auch ein ganzes Ressort gewesen, Arbeitstitel: FTD DEINE MUDDA. Leider hat mein Chef mich nie gelassen. Vielleicht hätte ich uns alle retten können. Aber wissen Sie was? Die Idee nehm ich einfach mit, zum nächsten Arbeitgeber. Auch andere Mütter haben ja schöne Töchter. Rainer Leurs
Sehr hatte ich mich auf die erneute Amtseinführung von Barack Obama gefreut. Ich hatte schon meine Akkreditierung für den 21. Januar. Nun kommt ja leider was dazwischen. Und so werde ich das und Weiteres nicht mehr erleben, etwa wie die USA ihre Haushaltsprobleme lösen, geschweige denn, wie sie beim Klimaschutz mitmachen! Aber das wiederum tut nicht wirklich weh. Das werden nämlich auch die anderen Kollegen in Washington nicht erleben, weil es nur ein schöner Traum ist. Sabine Muscat
Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn, sofern die Winde wehn, das wär doch wunderschön! Am Sonntag will mein Süßer mal ein Seemann sein, mit mir im Sonnenschein, so ganz allein! Leider kam es nie zu dem besagten Interviewtermin mit Hasso Plattner. Annika Graf
Da ich Afrika mag und einen Bart wie ein Seefahrer trage, sah ich einen Sinn darin, mich bei einer Seefahrt vor Somalia von Piraten entführen lassen und über alles Weitere zu berichten. Insbesondere interessierte mich, ob es auch in der Freibeuterbranche eine Quote gibt und wie anwesende Piratenbräute zu dieser stehen. Leider wusste die Chefredaktion das Projekt durch Fürsorge zu verhindern. Auch finanziell sprach einiges gegen die Durchführung, da Lösegeldzahlungen in Dukaten gegen die Spesenordnung verstoßen. Dabei wollte ich meinen polnischen Pass mitnehmen. Polen sind - kein Witz - in der Ablöse günstiger als Deutsche. Eigentlich so diskriminierend wie die Quote. Aber das ist eine andere unerzählte Geschichte. Andrzej Rybak
Für einen Journalisten kann es nichts Besseres geben als die Energiewende: Umwälzung, Streit. Beste Voraussetzungen für Seite-1-Nachrichten und Reportagen. Jetzt tritt die Energiewende in eine neue Phase. Die einfachen Fragen - wie stehst du zur Atomkraft? - sind beantwortet. Die neuen Fragen lassen sich nicht mit alten Gewissheiten beantworten. Wie sieht das neue Marktmodell aus, das Ökostrom und konventionelle Kraftwerke vereint? Gern hätten wir die ersten Antworten entdeckt, präsentiert, geprüft. Wie es unsere Art ist: kritisch, aber immer konstruktiv. Nikolai Fichtner
Monatelang hatte ich auf einen Termin mit Volvo-Chef Stefan Jacoby gewartet. Im November sollte es so weit sein - doch dazu kam es nicht. Mitte September hatte er einen "leichten Schlaganfall erlitten". Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus teilte Jacoby mir mit, er müsse unser Treffen wegen seiner Reha "offenhalten", erziele aber gute Fortschritte. Tage später die Mitteilung, dass er als Volvo-Chef abgelöst werde. Wegen seiner Misserfolge in China, so Volvo (aus meiner Sicht vorgeschoben). Ich hoffe, ich treffe Jacoby auf der Automesse in Detroit im Januar. Dann teilen wir vermutlich ein Schicksal und sind beide auf Jobsuche. Margret Hucko
Unterhaltsame Geschichten aus der Welt der Steuern zu finden ist nicht immer leicht. Jahressteuergesetz, Organschaftsbesteuerung ... Sie wissen schon. Und dann schrieb mir eines Tages Christian Kiefer, Berufsschullehrer aus Stuttgart. Er schätzt die FTD so sehr, dass er sogar seine Schüler zur Lektüre zwingt. Deshalb wollte er die FTD offiziell als Unterrichtsmaterial anerkannt wissen und die Abokosten von der Steuer absetzen. Drei Jahre hat er darum vor Gericht gekämpft. Hat Schüler vorladen lassen, zum Beweis, dass sie nach der Lektüre schlauer waren als davor. Letztlich hat er es geschafft. Nur ich habe es nicht mehr geschafft, ihn in Stuttgart zu besuchen und zu porträtieren für seinen ganz persönlichen Kampf um die FTD. Elke Spanner